„Zugabe!“, feiert eine Schar Kinder das blecherne Scheppern des Martinshorns vom Polizei-Käfer. Für sie ist das „Tatütata“ der Hit beim 15. VW-Käfer-Treffen. Aber er ist nicht der einzige Schlager. Rund 300 seiner Artgenossen ließen sich am Wochenende bewundern.
Vor 35 Jahren wurde der „Buckelporsche“ vom Stuttgarter Polizeipräsidium in Dienst gestellt. Zur Verkehrsüberwachung. Denn mit seinen 44 PS und einer Beschleunigung von null auf 100 in 30 Sekunden war er nicht für die Ganovenjagd tauglich.
Dem tannengrünen Modell aus Wolfsburg wurden weiße Kotflügel sowie das gelb-schwarze württembergische Hoheitszeichen verpasst. Ein Blaulicht aufs Dach, vier Hupen als Sirene an die Stoßstange geschraubt. Fertig war das Polizeiauto.
Innen herrscht „Sachlichkeit“. Fragil Lenkrad und Hebel. Das Funkgerät im Handschuhfach, ein Feuerlöscher, eine Funzel zum Lesen und die Halterung für die „Stop-Kelle“ machen den Käfer zur Streifenkutsche.
Fingerspitzengefühl ist beim Schalten gefragt. Rasch ist der erste mit dem dritten Gang verwechselt. Das mag er beim Anfahren gar nicht. Es liegt ein Hauch von Benzin im Fahrgastraum, die Drosselung der Seilzugheizung schließt nicht ganz und wärmt bei 30 Grad die Socken. „Dafür hat man im Winter die Wahl zwischen kalt und eiskalt“, scherzt Stefan Wellein, Polizist und Mit-Organisator des Käfer-Treffs.
Egal, wo man entlangfährt, freundliche Blicke vom Straßenrand begleiten einen. Der Käfer zaubert ein entspanntes Lächeln in die Gesichter. Das Schnurren des Motors entschleunigt. Wildfremde bitten um eine Probefahrt. Dieses Auto weckt Erinnerungen. „Darin habe ich deine Mutter kennengelernt“, erklärt der Vater dem Sohn. „So oin han i au mal g’het“, sagt der Opa der Enkelin.
Kein Auto der Welt genießt so viel Sympathie wie der Käfer. Der technische Dinosaurier wird wegen seiner knuffigen Art geliebt. „Diese Liebe macht ihn so unverwüstlich“, glaubt Wellein, denn Macken habe er genug.
„Nur fliegen ist schöner“ ist auf dem kastanienbraunen Brezelkäfer zu lesen. 57 Jahre hat er auf dem Buckel mit geteilter Heckscheibe. Er steht da wie neu. „Als ich Kind war, wurde die Sitzbank rausgenommen, das Zelt verstaut und Matratzen draufgelegt. Darauf saß ich dann“, erzählt Udo Wohlleben aus Franken. Alles noch dran: die Winker zum Abbiegen, die Knie-Arthrose fördernde Rheumaklappe zur Belüftung, das Röhrenradio, das nur Mittelwelle empfängt.
Aufgebrezelt ist auch der Käfer von Hermann Weiner. Im Stil der 80er wuchtig mit Polyester aufgemotzt, pocht ein 130 PS starker Motor im Popo. Damit können Golfs gejagt werden. Aber nicht lange. „Auf Dauer sind hohe Geschwindigkeiten sehr anstrengend.“ Dafür ist neben weißem Nappa-Leder auch ein Fernseher in die Porsche-Armatur eingebaut. Ein klassischer Retro-Macho.
Für 24 000 US-Dollar holte der Schorndorfer Jürgen Heilig den 62er „Bulli“ aus Kanada zurück. Es ist ein Wohnmobil im Originalzustand. Mit Kühlbox und Benzinkocher in der Heckklappe und der geteilten und ausstellbaren Frontscheibe. Mit 34 PS ist er eine Zeitmaschine in die Vergangenheit.
Die Käferwelt ist rund, das Auto eine Kugel zum Knutschen. Ein kleines Mädchen fragt: „Kannst du das Tatütata noch mal anmachen? Bitte!“