1. Dezember 2007 | Drucken | Versenden
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Andreas Blank.
Andreas Blank.
Bild: Heinz Margielsky
GEISENHEIM/MURR

Forschung und Praxis profitieren

Andreas Blank aus Murr, zweiter Kellermeister der Fellbacher Winzergenossenschaft, hat in Geisenheim einen Preis für überdurchschnittliche Leistungen in seinem Studium des Weinbaus erhalten.

Unter Andreas Blanks Anzugsärmeln schauen schwarze Finger hervor: Der Rotwein hat sie verfärbt. Filtern und abfüllen stehen derzeit auf dem Programm bei der Fellbacher Winzergenossenschaft, wo er als zweiter Kellermeister beschäftigt ist. Das bleibt nicht ohne Spuren. In Geisenheim stand Blank kürzlich aber wegen einer Leistung im Blickpunkt, die ihn eher als Theoretiker auszuweisen scheint.
Die Rheingauer Volksbank hat dort einen mit 1000 Euro dotierten Preis für überdurchschnittliche Leistungen im Studium der Önologie und des Weinbaus gestiftet. Andreas Blank hat ihn als erster erhalten. „Gärmodellierung und Gärprognose: Der Weg zur besseren Gärsteuerung“ lautete der Titel der Diplom-Arbeit des 25-Jährigen. Eine Themenstellung, die „sehr theoretisch daherkommt“, bemerkte Klaus Schaller, der Direktor der Forschungsanstalt Geisenheim, in seiner Laudatio, um zugleich auf den Nutzen für Forschung und Praxis hinzuweisen.
In der Fachwelt gebe es nichts, was noch so viel Unbekanntes in sich berge und so kontrovers diskutiert werde wie der Zuckerabbau, also die Gärung. Blank habe nun mit Hilfe von Differentialgleichungen eine mathematische Methode gefunden, um den Gärverlauf abschätzen zu können.
Schaller zitierte aus dem Gutachten seines Professoren-Kollegen Kai Velten, der seinem Diplomanden attestiert, eines der „weltweit am fortgeschrittensten mathematischen Modelle“ zu dieser Frage vorgelegt zu haben. Die Arbeit besitze eine Qualität, die sie in die Nähe einer Dissertation rücke.
Blank hat seine Berechnungen auf Bezugsgrößen von 300 bis 40 000 Liter ausgerichtet. Somit könnten sie sowohl für Feierabendwinzer wie für Großerzeuger einmal relevant werden. Die Anregung dafür hat er bei einem Praktikum in seiner württembergischen Heimat erhalten. Im Kreis Ludwigsburg ist der Preisgewinner im sieben Hektar großen Weinbaubetrieb seiner Eltern aufgewachsen.
Das Studium hat ihn dann nach Geisenheim geführt, ein Jahr in Kalifornien ergänzte die Ausbildung. Ob er sich weiterhin als Kellermeister schwarze Finger holt oder – wie bei der Feierstunde angeregt – in die Wissenschaft wechselt, weiß der junge Mann noch nicht genau: „Jetzt möchte ich erst mal Praxiserfahrung sammeln.“
Bei der Feier wünschten sich die Redner, dass der Weinbau auch dank der Forschung weiter prosperiert. In diesem Sinn soll der erstmals vergebene Preis wirken. 100 Arbeiten lagen vor, berichtete Fachbereichs-Dekan Otmar Löhnertz. Angesichts von Blanks Leistung sei es aber nicht schwer gefallen, einen Preisträger zu bestimmen.
Info: Die Forschungsanstalt Geisenheim in Hessen ist eine der ältesten Forschungseinrichtungen des Wein- und Gartenbaus im deutschsprachigen Raum. Sie führt anwendungs- und grundlagenorientierte Forschung durch in den Gebieten Weinbau, Gartenbau, Önologie und Getränkeforschung. Im Rahmen einer engen Verknüpfung mit der Fachhochschule Wiesbaden werden in Geisenheim zusätzlich rund 800 Studierende der Fachrichtungen Weinbau und Önologie, Getränketechnologie, Gartenbau sowie Landespflege von den Mitarbeitern der Forschungsanstalt in Vorlesungen und Übungen mit betreut.

Thorsten Stötzer
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