Neben der Überprüfung von Führerschein und Kfz-Papieren gehört auch die Abnahme des genetischen Fingerabdrucks bei Fahrzeugkontrollen im Landkreis mittlerweile zur Routine. Dies ergaben Recherchen unserer Zeitung. Die Polizei begründet ihre seit etwa acht Monaten verstärkten Versuche, Autofahrer zur freiwilligen Abgabe von Speichelproben zu bewegen, mit der Fahndung nach der Phantommörderin von Heilbronn.
Montag nach Weihnachten: Bei einer nach Polizeiangaben gewöhnlichen, von bewaffneten Polizisten gesicherten Verkehrskontrolle wird auch ein 18-jähriger Steinheimer herausgewinkt. Der junge Mann wird von den Beamten befragt, dann – wie sich rasch herausstellt: irrtümlich – einer falschen Adressangabe bezichtigt und schließlich unter Hinweis auf das Phantom von Heilbronn zur Abnahme einer Speichelprobe bewogen. Er willigt ein – weil er sich eingeschüchtert gefühlt habe, wie er unserer Zeitung hinterher sagt.
Die Polizeidirektion Ludwigsburg widerspricht seiner Darstellung in einem Punkt: Niemand werde von der Polizei zum Mitmachen bei einem DNA-Test gedrängt – die Abnahme des genetischen Fingerabdrucks im Rahmen normaler Kontrollen erfolge freiwillig und unter strikter Wahrung der rechtlichen Bestimmungen. Richtig aber sei, dass der Gentest per Speichelprobe bei Verkehrskontrollen im Raum Ludwigsburg-Heilbronn mittlerweile Routine sei. Schließlich hat die Polizistenmörderin von der Heilbronner Theresienwiese auch im Kreis ihren genetischen Fingerabdruck hinterlassen – so in Gronau und Kornwestheim. Deshalb, sagt ein Sprecher der Polizeidirektion Heilbronn, deren Sonderkommission Parkplatz die Jagd nach der unbekannten Schwerstkriminellen leitet, würden bei normalen Kontrollen auffällige Personen auch verstärkt um die Abgabe ihrer Speichelprobe gebeten.
Sollte der DNA-Test negativ verlaufen, werde die Probe umgehend vernichtet, die Daten der Überprüften hingegen blieben zeitweise in einer Negativdatei gespeichert: „Sie sind dann bei einer möglichen abermaligen Kontrolle außen vor“, so der Heilbronner Polizeisprecher. Wie viele Verkehrsteilnehmer im Kreis bisher „sicherheitsgenetisch behandelt“ wurden, kann die Polizeidirektion Ludwigsburg nach eigenen Angaben aber trotzdem nicht sagen – weil ja die Proben vernichtet würden.