28. Juli 2008 | Drucken | Versenden
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Friedlich demonstrierten über 200 junge Leute gegen Neonazismus und rechte Gewalt.
Bild: Alfred Drossel
BIETIGHEIM-BISSINGEN

Keine Störungen von rechts außen

Die befürchteten Gegenaktionen gewaltbereiter Neonazis blieben aus: Ungestört und vollkommen friedlich ging am Samstag die Demonstration zum 17. Festival „Rock gegen Rechts“ über die Bühne. Über 200 vorwiegend junge Teilnehmer marschierten mit. Auch das Festival am Jugendhaus Farbstraße verlief ohne Störungen.

War es ein bloßer Propaganda-Bluff, der die Neonazis im Kreis Ludwigsburger stärker erscheinen lassen sollte, als sie es tatsächlich sind? Auch bei der „Antifa“ – jener linken, vorzugsweise schwarz gewandeten Szene, gegen die eine angebliche „Anti-Antifa Ludwigsburg“ am Samstag wie berichtet trotz Verbots aufmarschieren wollte – stellte man sich diese Frage.
Während die vor allem im Bahnhofsumfeld massiv aufgezogene Polizei laut offiziellen Angaben keinerlei Anzeichen für die Präsenz von Neonazis ausmachen konnte, hieß es im Umfeld der Rock-gegen-Rechts-Veranstalter zwar, im Stadtgebiet seien „vereinzelt Rechte“ gesichtet worden. Zu Attacken oder anderen auffälligen Aktionen von Rechtsextremisten kam es aber nicht. Einzige mögliche Ausnahme: Nach Angaben der Veranstalter sollen Unbekannte – nach dem Vorbild polizeilicher Spurensicherung bei Unfällen – die Umrisse eines Menschen auf eine Straße gezeichnet und darin den Namen eines Antifa-Aktivisten eingetragen haben. Auch nach Ende des Festivals blieb es ruhig – anders als im Vorjahr, als Rock-gegen-Rechts-Besucher in der Nacht durch den Bürgergarten gejagt worden waren.
Dass es zumindest am Samstag bei Drohungen der angeblichen Anti-Antifa Ludwigsburg, in Bietigheim „Flagge zeigen“ zu wollen, blieb, zeichnete sich relativ früh ab. Am Bahnhofsvorplatz hatten sich Kräfte der aus Bonn und Stuttgart nach Bietigheim gerufenen Bundespolizei postiert, als dort gegen Mittag die ersten linken Demonstranten eintrafen. Schließlich versammelten sich anlässlich der „Streetparade“ zum „Rock gegen Rechts“ dem Augenschein nach über 200 – weit überwiegend junge – Demonstranten. Die Polizei zählte nur 150 Teilnehmer, die Veranstalter 250 Demonstranten, die von Kräften der Polizeidirektion Ludwigsburg sowie der Bereitschaftspolizei über die Stuttgarter Straße durchs Gartenschau-Gelände und die Innenstadt bis zur Farbstraße eskortiert wurden.
Im Zug der – teilweise zwar „wild“ anzusehenden, aber rundum friedlich, ja fast harmlos wirkenden – jungen Leute dabei waren wenige „ältere“ Vertreter der politischen Linken, darunter der Bietigheim-Bissinger Alt-Kreisrat Hartmut Bernecker (Die Linke) und die SPD-Landtagsabgeordnete Christine Rudolf.
Tatsächlich klangen allenfalls einige Parolen, die von den jungen Demonstranten eher zaghaft gerufen wurden, militant. Dem Spruch „Gebt den Nazis die Straße zurück – Stein für Stein“ standen so zwei Redebeiträge gegenüber, die das rhetorische Arsenal einer doch sehr klassischen Linken bemühten: Frederico Elwing von Solid – der Jugendorganisation der Linkspartei – schilderte die neonazistische „Kapitalismuskritik“ als antisemitische Doktrin, Edwin Ressel von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes erinnerte an die Opfer des zentralen Zwangsarbeiter-Durchgangslagers nahe dem Bietigheimer Bahnhof. Der Gefühlslage der jungen Demonstranten dürfte er mit einem von ihm mitgeführten Plakat näher gekommen sein: „Revolution ist beautiful. Alles andere ist Terror“, hieß es darauf.

Steffen Pross
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