9. September 2009 | Drucken | Versenden
KREIS LUDWIGSBURG

Schulsozialarbeit: Oft eine „halbe Sache“

Der zweite Mann im Staatlichen Schulamt Ludwigsburg, Walter Layher, und der GEW-Kreisvorsitzende Frank Eberhard sind sich einig: Ideal wäre es, wenn es an jeder der 42 Haupt- und 22 Realschulen im Kreis Ludwigsburg auch einen Schulsozialarbeiter gäbe. Tatsächlich scheint dieses Ziel bei den Hauptschulen inzwischen nahezu erreicht. Allerdings sind die wenigsten Schulsozialarbeiter in Vollzeit an nur einer Schule tätig.

Immer mehr auffällige Kinder, Jugendgewalt, zuletzt der Amoklauf von Winnenden: Der Ruf nach einer professionellen sozialpädagogischen Begleitung möglichst vieler weiterführender Schulen ist wieder lauter geworden. Die kommunalen Spitzenverbände, die Lehrergewerkschaften GEW und VBE sowie SPD, Grüne und selbst FDP im Landtag fordern den Wiedereinstieg des Landes in die Finanzierung der Schulsozialarbeit, die es seit dem Jahr 2005 allein den Kommunen überlässt.
Und in der Tat: Zieht man die sieben Schulsozialarbeiter an den sieben Berufsschulen des Landkreises ab, so bleiben gerade mal 34 volle Sozialarbeiterstellen für die 198 öffentlichen Schulen und ihre über 60 000 Schüler im Landkreis. Diese Zahl signalisiert auf den ersten Blick Handlungsbedarf – zumal weder das Schulamt (mangels Zuständigkeit) noch das Landratsamt (mangels Personalhoheit) wissen, wie sich die von den Kommunen (als Schulträgern) auf diesen insgesamt 34 Stellen beschäftigten 49 Schulsozialarbeiter auf welche Schularten verteilen.
Eine Nachfrage vor Ort ergibt indessen: An den weitaus meisten Hauptschulen und vielen Realschulen im Kreis sind sehr wohl Sozialarbeiter tätig – wenn auch meist nur in Teilzeitbeschäftigung. Städte wie Bietigheim-Bissingen, Markgröningen und Kornwestheim, die jede ihrer Hauptschulen mit einer vollen Sozialarbeiterstelle ausgestattet haben, sind ebenso die Ausnahme wie Schulstandorte, die an ihren weiterführenden Schulen ganz auf Sozialarbeit verzichten.

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Auffallend ist: Neben Schwieberdingen sind es fast nur kleinere Gemeinde im vergleichsweise „ländlichen“ Norden des Landkreises, die bisher keine Schulsozialarbeiter an ihren Hauptschulen beschäftigen – etwa Gemmrigheim und Löchgau sowie die auf dem Hauptschulsektor kooperierenden Nachbarkommunen Hessigheim und Mundelsheim. Sachsenheim hat zwar an der Burgfeldschule – einer Grund- und Hauptschule – eine 40-Prozent-Stelle eingerichtet, verzichtet aber an seiner zweiten Hauptschule, der Kirbachschule, bislang ebenso darauf wie an der örtlichen Realschule. Auch Besigheim ist derzeit noch ohne Sozialarbeiterstelle in seinen weiterführenden Schulen, wird zum Jahreswechsel aber zusätzlich zu einer 40-Prozent-Stelle an der Förderschule 1,6 neue Stellen fürs Schulzentrum schaffen.
Darin folgt die Stadt einem Modell, das in anderen Kommunen – zumal solchen mit größeren Schulzentren – längst die Regel ist: Ein Sozialarbeiter ist an mehreren Schulen und in mehreren Schularten gleichzeitig tätig, wobei der Arbeitsschwerpunkt in der Regel auf den Hauptschulen liegen soll.
Dass es damit längst nicht immer getan ist, wissen nicht nur Schulsozialarbeiter und Lehrer. Bietigheim-Bissingen etwa stockt an seinen Schulen um 4,5 Stellen auf: Beide Realschulen erhalten einen eigenen Sozialarbeiter, die Gymnasien und die Grundschulen je einen je Schulart, die Förderschule eine Teilzeitkraft. Auf staatliche Unterstützung darf die Stadt dabei vorerst aber kaum hoffen: Kultusminister Helmut Rau (CDU) lehnt eine Neuaufnahme der Landesförderung bisher kategorisch ab, Sozialministerin Monika Stolz (ebenfalls CDU) verwies in ihrer Antwort auf eine Anfrage des Asperger Grünen-Landtagsabgeordneten Jürgen Walter vage auf die im Herbst bevorstehenden Verhandlungen von Ministerpräsident Günther Oettinger mit den kommunalen Spitzenverbänden.
Weithin ungehört sind in Stuttgart auch die nach dem Amoklauf von Winnenden verstärkten Forderungen nach deutlich mehr Schulpsychologen verhallt: Für den Landkreis Ludwigsburg stehen seit zwei Jahren 4,5 Stellen zur Verfügung, von denen derzeit eine unbesetzt ist. Die Schulpsychologen sollen vor allem im Krisenfällen intervenieren können, sind aber nicht etwa an den Schulstandorten stationiert, sondern im Landratsamt. Walter Layher vom Ludwigsburger Schulamt wünscht sich für die großen Schulzentren etwa in Marbach oder Ludwigsburg denn auch Psychologen vor Ort – was die Prävention dort nur unterstützen könnte.

Steffen Pross