Das Sterben der Läden im Marstall-Center geht weiter. Nun hat auch Tengelmann bekannt gegeben, seine Filiale im Erdgeschoss zu schließen. „Nicht mehr wirtschaftlich“, lautet die kurze Erklärung des Handelskonzerns.
Der Beton-Koloss blutet langsam aus. Ein Laden nach dem anderen verlässt das Marstall-Center. Etliche Flächen stehen bereits leer, manche Läden sind sogar zugemauert. Und der Exodus geht weiter. Gestern bestätigte die Unternehmensgruppe Tengelmann auf Anfrage unserer Zeitung die Schließung ihrer Filiale im Erdgeschoss. „Nicht mehr wirtschaftlich“, lautet die kurze Erklärung dazu. Das Unternehmen habe den auslaufenden Mietvertrag genutzt, um dem Marstall-Center jetzt den Rücken zu kehren. Spätestens zum 19. September ist Schluss. Vielleicht sogar schon eher. Damit verlässt ein wichtiger Mieter, sogar noch bevor über den Verbleib von Karstadt endgültig entschieden wurde, das Einkaufszentrum.
Wie berichtet wird sich in den nächsten Wochen herausstellen, wie es mit den Karstadt-Filialen des insolventen Konzerns Arcandor weitergeht. Auf jeden Fall sollen einige Häuser geschlossen werden. Der Ludwigsburger Filiale werden in diesem Überlebenskampf eher schlechte Chancen eingeräumt. Das Haus gilt als sanierungsbedürftig.
Frank Ritschek, Geschäftsführer der Marstall Verwaltungsgesellschaft, konnte gestern nichts zu den aktuellen Entwicklungen sagen. Die Verhandlungen mit Tengelmann seien von den Eigentümern des Centers geführt worden. „Ein Lebensmittelgeschäft ist aber sehr wichtig für das Marstall-Center“, sagt Ritschek.
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Fest steht mittlerweile, dass die 750 000 Euro, die von den drei Eigentümer-Gesellschaften für die Sanierung des Einkaufszentrums bewilligt wurden, vorerst auf Eis liegen. Man wolle erst über die Zukunft von Karstadt Bescheid wissen, so Ritschek weiter. „Wir hoffen aber, dass Karstadt bleibt.“
Für die vielen leer stehenden Geschäfte im Marstall-Center könnte dann vermutlich eine Zukunft gefunden werden, meint der Geschäftsführer. Da Kleinteiligkeit heute nicht mehr gefragt sei, könnten mehrere kleine Flächen zu größeren Geschäften zusammengelegt werden. Aber, gibt Ritschek zu Bedenken: „Das alles hängt von Karstadt ab. Ohne Karstadt ist die Zukunft sicher nicht einfach.“ Zumal sich das Ladensterben und der Verfall mittlerweile um das gesamte Marstall-Center ausbreiten. Auch in der unteren Kirchstraße stehen schon mehrere Geschäfte seit Monaten leer.
Ulrike Hauser von Luis, dem Verein der Innenstadthändler, arbeitet seit einiger Zeit an einer Lösung für die leer stehenden Geschäfte der Kirchstraße. „Wir stehen in Kontakt mit den Vermietern“, sagt Hauser. In einem Fall seien die Mietforderungen des Eigentümers aber einfach nicht zu erfüllen. In einem anderen Fall laufe noch ein Mietvertrag, obwohl der Mieter längst ausgezogen ist. „Wir machen, was wir können“, versichert Hauser. Oft seien sich die nicht ortsansässigen Vermieter aber gar nicht klar darüber, wie problematisch das Umfeld mittlerweile ist. Die hohen Mietforderungen kann sie jedenfalls nicht nachvollziehen.
Am meisten ärgert Hauser aber die Untätigkeit der Marstall-Eigentümer. Längst hätten sie in das Gebäude investieren müssen. Auch dass die bereits bewilligte Summe jetzt eingefroren wurde, versteht Hauser nicht. „Ich bin enttäuscht. Das ist das falsche Signal für das Marstall-Center und für die Stadt.“