25. April 2009 | Drucken | Versenden
MARKGRÖNINGEN

Polizei schützt Bürgermeister nach Drohungen im Internet

Eine Amokdrohung gegen die Ludwig-Heyd-Schule und eine Morddrohung gegen Bürgermeister Rudolf Kürner sind im Internet aufgetaucht. Die Einträge könnten von dem ehemaligen Mitglied einer Jugendbande stammen, das mit seiner Familie kürzlich in den Kosovo abgeschoben worden ist.

„Markgröningen – Die Stadt zum Wohlfühlen“ ist auf der Homepage der Kommune zu lesen. Alles andere als wohl dürften sich derzeit jedoch Bürgermeister Rudolf Kürner und die Jungen und Mädchen der Ludwig-Heyd-Grund- und Hauptschule fühlen. Im Internet nämlich hat ein Unbekannter unter dem Pseudonym „arsim“ und „albaboss“ damit gedroht, Bürgermeister Rudolf Kürner umzubringen. Außerdem kündigt der Schreiber in schlechtem Deutsch einen Amoklauf in der Ludwig-Heyd-Schule und einen Anschlag in der „finstergasse“ an. Damit könnte der Unbekannte den Polizeiposten meinen, der sich in der Finsteren Gasse in der Innenstadt befindet. Weiter beleidigt er Deutsche, die er als „Bastarde“ und „Abschaum“ bezeichnet.
„Eine akute Bedrohung besteht nicht“, sagt Peter Widenhorn, Sprecher der Ludwigsburger Polizeidirektion. Trotzdem haben Beamte mit den Schülern Gespräche geführt, außerdem hat die Schulleitung die Eltern in einem Brief informiert. „Wir haben Maßnahmen zum Schutz der Schule und des Bürgermeisters eingeleitet“, sagt Frank Rebholz, Chef der Polizeidirektion. Rudolf Kürner will sich nicht äußern, solange die Ermittlungen der Polizei laufen.
Die Drohungen sind in einem Internet-Blog veröffentlicht worden, der laut eigener Aussage die „christlichen Wurzeln des Abendlandes vertritt“ und „politisch inkorrekt ist“. In diesem Weblog ist im August 2008 ein Artikel über Jugendgewalt in der Stadt mit dem Titel „Ausländer-Randale beim Schäferlauf“ erschienen. Einige Nutzer des Blogs wollen über die vom Betreiber veröffentlichte IP-Adresse des Absender-Computers in Erfahrung gebracht haben, dass der Unbekannte seine „Botschaften“ im Kosovo verfasst haben muss. Diese Vermutung hat auch die Polizei. Mitarbeiter versuchen derzeit herauszufinden, von welchem Computer aus die Ankündigungen ins Netz gestellt worden sind.

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Es deutet derzeit einiges darauf hin, dass der Urheber im Kosovo sitzt. Dorthin hat das Regierungspräsidium vor wenigen Wochen eine in Markgröningen wohnhafte Mutter mit ihren drei Kindern abgeschoben. Der Vater ist tot, ein viertes Kind, der älteste Sohn, ist laut Polizeisprecher Peter Widenhorn in Deutschland in Haft.
Was die Eintragungen im Internet betrifft, bestehe gegen den 18-jährigen Sohn „ein Anfangsverdacht“, sagt Frank Rebholz. Der junge Kosovare hat die Ludwig-Heyd-Schule besucht, die beiden anderen Kinder im Alter von zwölf und sieben Jahren wurden bis zuletzt ebenfalls an der Schule unterrichtet. Der 18-Jährige soll auch Mitglied einer stadtbekannten Jugendclique gewesen sein.
In den vergangenen Monaten hat es in Markgröningen immer wieder Übergriffe von Jugendlichen gegeben. Bürgermeister Rudolf Kürner hat mehrmals Gespräche mit den jungen Leuten geführt, auch mit dem 18-Jährigen und dessen Freunden. Damals habe der Jugendliche sich um einen Ausgleich bemüht und zwischen Jugendlichen und Polizei zu vermitteln versucht, so Peter Widenhorn.

Wolf-Dieter Retzbach
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