Auch wenn es auf den ersten Blick so aussieht: Das Schillerbuch von Hannes Mühleisen soll keinesfalls amerikafeindlich sein. Der stilisierte „Uncle Sam“ ist nur ein Sinnbild für das Böse.
Ganz bewusst hat sich Hannes Mühleisen das bekannte Drama von Schiller ausgesucht. Weniger, weil es so populär ist, sondern vielmehr, weil er sich 2005 schon einmal intensiv mit dem Werk auseinandersetzte, als Schillers 200. Todestag gefeiert wurde. Mit der Punkrockband „Jackson Spider“, in der er Schlagzeug spielt, komponierte er ein Lied zu einem Text aus eben jenem Schillerdrama, das bei einer Performance vor dem Rathaus präsentiert wurde. Der Refrain des Songs, ein Schillerzitat, steht nun auch in der Mitte des Buches: „Stehlen, morden, huren, balgen ist für uns der liebste Zeitvertreib.“ Dieses Lied kann man sich anhören: Es wurde extra eine Telefonnummer angelegt, die man anwählen kann, wenn man vor dem Buch steht.
2005 beschäftigte sich der Grafikdesigner auch aus beruflichen Gründen intensiv mit dem Werk, für das Schillerbuch näherte er sich dem Drama freier: Unter der Fragestellung, was eigentlich für ihn persönlich ein böser Mensch ist. Er recherchierte im Internet, was alles für Ungerechtigkeiten im Namen der Gerechtigkeit passierten. Am Ende stand eine Liste mit 1000 Namen – und diese stehen nun alle auf dem Buch. „Ich habe die Buchstaben dann eingefärbt, um das Sinnbild des Bösen zu visualisieren. Der große Bruder, der dich, deine Seele will.“ „Uncle Sam“ ist dabei nur ein eingesetztes Symbol, das ansprechen soll. „Er soll aber nicht, wie so oft, als Symbol für Kritik an der amerikanischen Regierung verstanden werden“, betont der 42-Jährige.
„Herr muss ich sein“ ist für Mühleisen ein Schlüsselzitat im Drama. „Mit dem Gedanken, dass einer immer besser sein muss als der andere, fängt das ganze Übel an.“ Dieses Thema findet er auch besonders spannend an Schillers Werk insgesamt. „Es gibt viele Zitate, die einen nachdenken lassen“, sagt der Marbacher, der wegen der „holprigen Sprache“ das meiste von Schiller nicht las, sondern sich als Hörbuch zu Gemüte führte. Gerade die Frage, ob man über Leichen gehen müsse, um festzustellen, dass man ein armes Würstel sei, inspirierte ihn. Interessant findet er auch das Leben Schillers. „Dass Goethe und er sich eigentlich nicht leiden konnten, aber jetzt in Weimar auf dem Denkmal friedlich nebeneinander stehen, finde ich witzig.“