Schillerbücher
19. August 2009 | Drucken | Versenden
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Hatte schon mit Vandalismus zu kämpfen: Pit Ruge.
Hatte schon mit Vandalismus zu kämpfen: Pit Ruge.
Bild: Alfred Drossel
MARBACH

Basketballspiel in der Mongolei liefert das treffende Motiv

Als er vor elf Jahren in der Mongolei war und das Foto mit dem Basketball schoss, hätte Pit Ruge nie gedacht, dass er es später noch einmal so gut gebrauchen könnte – nämlich für sein Schillerbuch. Das Motiv trifft den Titel seines Schillerwerks auf den Kopf.

Bei einem Kunstaustausch nahm der Fotograf und Objektkünstler an einer Landartwoche in der Mongolei teil. Mitten in der Steppe stellte er einen Basketballkorb auf, den er nur aus natürlichen Materialien, etwa aus vier Pferderippen, gebastelt hatte. Natürlich wurde der Korb auch entsprechend eingeweiht und mitten in der Steppe ein heißes Match ausgetragen. Alle Spieler porträtierte er anschließend in verschiedenen Posen, einen Jungen eben auch mit dem Ball auf dem Kopf. „Das Motiv fand ich dann so stark, dass ich es zum Leitmotiv in der Serie ,Atemraum‘ gemacht und auch ein Gedicht dazu geschrieben habe.“
Als die Geschichte mit den Schillerbüchern aufkam, musste der 42-Jährige nicht lange überlegen, welches Werk er umsetzen würde. „Ich hole lieber etwas Gutes aus der Schublade, statt krampfhaft etwas Neues zu erzeugen.“ Außerdem ließ sich mit den Schillerbüchern auch kein Geld verdienen. Umso mehr ärgerte er sich, dass schon nach drei Tagen sein Buch Opfer von Vandalismus und der Stoff zerstört wurde. „Das ist sehr ärgerlich und auch respektlos.“ Dennoch hat Ruge, der inzwischen in Cleebronn lebt, das Bild noch einmal auf Stoff drucken lassen. „Die Kosten habe zur Hälfte ich getragen. Aber ich wollte den Stoff auch wegen der Haptik. Ich finde, ein Folienausdruck passt nicht zu einem Buch.“
In jüngster Zeit wurde der Stoff wieder zerschnitten. Im Moment lasse er es so, aber wenn es noch schlimmer werde, werde er rote Farbe oder irgendetwas anderes darüber schütten. „Progressive Kunst hat auch etwas, aber für die Schillerbücher wollte ich das erst einmal nicht machen, da auch viele Leute deshalb extra nach Marbach kommen und damit vielleicht nicht so viel anfangen können.“
Bisher habe er kein „näheres Verhältnis“ zu Schiller, außer dass er wie jeder Marbacher Grundschüler an Schillers Geburtstag Blumen am Denkmal niederlegte. Aus der Schulzeit stammen dann auch noch seine Leseerlebnisse.
Bewusst sagt er auch hier „bisher“. Er sei ein Mensch, der dynamisch ist, und da könne man nicht ausschließen, dass man sich doch einmal mit Schiller auseinandersetzt. „Es würde sich anbieten, dass man etwas macht, zumal wenn man in Marbach aufgewachsen ist.“ Andererseits habe er wegen vieler Projekte und der Arbeit im Moment aber keine Zeit dazu. Was aber nicht heißt, dass das Schillerjahr an ihm vorbeigeht. Das Freilichttheater „Shilla“ auf der Schillerhöhe habe er sich schon angeschaut. „Ich habe also keine Abneigung gegen Schiller.“

Patricia Rapp