Schillerbücher
8. August 2009 | Drucken | Versenden
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Sarkastisch und selbstironisch: Lorenz Obleser.
Sarkastisch und selbstironisch: Lorenz Obleser.
Bild: Alfred Drossel
MARBACH

Die Banane als ein unerlässliches Requisit

Lorenz Obleser stieß spät zum Projekt Schillerbücher dazu und hatte nur noch wenig Auswahl. Übrig war unter anderem noch ein spätes Werk Schillers. Das passt doch, sagt sich der Mann mit dem Sinn fürs Sarkastische.

Außerdem kannte Lorenz Obleser die historische Figur und wusste, dass das Werk unvollendet ist. „Diese Offenheit hat mich eingeladen.“ Mehrfach hat er den Text gelesen – „Er ist ja unvollendet und somit kurz“ –, Recherchen zum historischen Stoff angestellt, mit der Lektüre abgeglichen und sich in das 200 Jahre alte Stück hineinversetzt.
Das Genre Bildergeschichte ist ohnehin die bevorzugte Technik des Autors und Publizisten, und so war die Umsetzungsart des Werkes schnell klar. Und mit einer Bildergeschichte lässt sich auch wunderbar ein Rätsel stellen.
Mit der Bildergeschichte „Schiller Fade Out“ (Schiller ausblenden) liefert er eine kurze Inhaltsangabe des Schiller-Stückes, wobei die Texte alle von ihm selbst stammen – selbstverständlich der Schiller’schen Sprache angepasst. Zudem liefert er seine Interpretation des Werkes gleich mit.
Die Banane ist für ihn dabei das Requisit, das man im Theater braucht. „Die Banane ist Illustrationsgegenstand und kunstgeschichtlich seit Andy Warhol das Obst schlechthin.“ Gleichzeitig erlaubt es die Banane, die Betrachter des Buches und Rätsellöser auf eine falsche Fährte zu locken.
Denn auch wenn er die Banane wie einst Wilhelm Tell auf dem Kopf hat, handelt es sich bei dem Schillerbuch nicht um die Umsetzung des berühmten Werkes. Nicht zuletzt kann er dank Banane auch seiner Ironie und seinem Sarkasmus freien Lauf lassen. So lautet der Text der letzten zwei Bilder: „Es muss schon schmecken, damit es zu verdauen ist. Rückstandsfrei war das auch für Schiller nicht zu machen.“
Die Fotos von sich und der Banane hat Obleser mit dem Selbstauslöser geschossen. Ursprünglich hatte er Skizzen angefertigt, aber es wäre zu aufwendig gewesen, diese auf das Format des Buches zu vergrößern. Das Besondere an seinem Buch sei aber, dass seine Fotos nicht auf Folie gezogen seien, sondern auf Papier gedruckt. Bis jetzt trotzen sowohl das Papier als auch der Spezialkleber Wind und Wetter.
Sein Verhältnis zum Dichter wächst übrigens von Schillerjahr zu Schillerjahr. „Ich gehe mit dem Zeitgeist.“ Da er nicht in Marbach aufgewachsen ist, habe er früher nicht viel mit Schiller zu tun gehabt, erst seit zwölf Jahren verfolgt ihn Schiller. Er versuche, sich den „Reizwörtern“ anzupassen. Dazu gehöre „den Freiheitsgedanken zu preisen und den geisteswissenschaftlich-historischen Kontext als Interpretation für das eigene Denken zu nehmen, historische Stoffe einzuordnen“. So wie Schiller den Zeitgeist reflektiert habe, solle sich jeder eingeladen fühlen, keine Angst zu haben vor der Reflexion.
In den zwölf Jahren, die Obleser nun in Marbach lebt, habe er sich mit vielem von Schiller angefreundet, aber nicht alles gelesen. Das Gedicht „Spinosa“ von Schiller habe er dieses Jahr aber extra auswendig gelernt. „Es ist kurz und reichlich originell.“ Man könne es außerdem selbst wie ein Bühnenstück aufführen.

Patricia Rapp