„Das Leben der Person war sehr freudig, aber auch sehr tragisch, deshalb hat sie mich schon immer interessiert“, sagt Winfried Staudenmayer. Deshalb war für ihn sofort klar, welches Schillerbuch er umsetzen und gestalten wird.
„Der Stoff ist von der Historie her sehr interessant“, sagt der 45-Jährige. Schon einige Biografien hat er zum Leben der bekannten Figur in der Geschichte gelesen, war fasziniert von der Situation, an der sich wegen der gesellschaftlichen Zwänge und politischen Umstände nichts ändern ließ. „Das Dilemma insgesamt berührt.“ Auf die Biografien stieß er übrigens rein zufällig. Er hatte eine Lebensgeschichte über Heinrich VIII. gelesen und das nächste Buch der Autorin befasste sich eben mit der Figur, die Schiller zu seinem Drama inspirierte.
Obwohl er schon wusste, um was es ging, las Staudenmayer das Drama von Schiller von vorne bis hinten durch. „Das Grundthema ist natürlich gleich, aber in den Biografien kommt das Dilemma besser ’raus. Bei Schiller ist alles stark gerafft, er konzentriert sich ja nur auf die letzten drei Tage.“
Das Bild für sein Schillerbuch hatte er eigentlich schon bei der Lektüre im Kopf. „Ich wollte erst mit den drei Königssymbolen Lilie, Rose und Distel arbeiten und diese verknüpfen.“ Doch der Zeitdruck machte ihm einen Strich durch die Rechnung, also entschied er sich für die französische Königslilie. „In Frankreich war die Figur am glücklichsten.“ Klar war auch, dass Weiß die beherrschende Farbe sein musste, schließlich war es ihre Lieblingsfarbe. „Sie heiratete sogar in Weiß, obwohl das damals die Farbe der Trauer war.“ Das Motto „In meinem Ende ist mein Anfang“ stand auf ihrem Wappen, und die Blutspritzer stehen für ihr tragisches Ende; außerdem ging sie in Dunkelrot zur Hinrichtung.
In der Werkhalle eines Freundes machte sich der Künstler ans Werk. Mit wasserfester Farbe grundierte er den Buchdeckel, die Lilie malte er mit einer Mischung aus Acrylfarbe und Sand, damit sie sich plastisch hervorhebt und Struktur bekommt. „Die Größe des Buchdeckels war reizvoll, ich wollte schon immer so ein großes Bild malen.“ Wenn er etwas mehr Zeit gehabt hätte, hätte er auch gerne in Öl gemalt und noch mehr gestaltet. „Dadurch, dass ich etwas kürzen musste, ist das Bild jetzt aber auch sachlich, pragmatisch und auf den Punkt gebracht.“
Zu Schiller hatte Staudenmayer vor dem Projekt eigentlich überhaupt kein Verhältnis. „Ich habe mich nie mit ihm befasst.“ Der Office-Manager in einer Werbeagentur liest zwar auch klassische Literatur, aber mehr Prosa. „Schiller hat mich im Laden einfach nie angesprungen.“ Nach der Lektüre „seines Werkes“ war er aber recht angetan. „Es ist sicherlich nicht einfach zu lesen, aber der Aufbau hin zum tragischen Höhepunkt ist im Stück sehr gelungen. Die Ränkespiele kommen recht gut heraus.“ Dies hat ihn animiert, das nächste Mal in der Buchhandlung doch nach Schiller zu schauen. „Wilhelm Tell will ich auf jeden Fall lesen, und auch die Räuber würden mich interessieren.“