Schon als Mädchen hat Noa Jordan Schiller geliebt. Noch dazu ist die menschliche Bewegung auch das Hauptthema ihrer fotografischen Arbeiten. Für die Umsetzung einer Abhandlung Schillers, in der es um die Anmut der Bewegung geht, war sie also geradezu prädestiniert.
„Vage“ wusste Noa Jordan bereits, was das Thema der Abhandlung Schillers ist. Sie war in Marbach auf der Grundschule und schon damals hat sie den Dichter geliebt. Bis heute hat sich das nicht geändert, und so las die 44-Jährige die Abhandlung auch mit Begeisterung und Interesse noch einmal, zumal sie selbst sich als Künstlerin intensiv mit dem Thema befasst. „Für Schiller ist Bewegung das, was die Seele ausdrückt. Die Seele ist der bewegende Punkt und genau das ist auch meine Ansicht.“ Und wie Schiller empfindet sie den Willen zur Freiheit. „Bewegungsfreiheit ist der erste Eindruck der Freiheit.“
Das Foto auf dem Schillerbuch stammt aus einem ihrer Fotoprojekte, in dem es um Freiheit und Bewegung geht. Zum Thema hat die Künstlerin, die ihr Atelier in Ludwigsburg hat, in den vergangenen Jahren, als sie noch in Berlin lebte, viel experimentiert. Die Arbeiten, die dabei entstanden oder jetzt noch entstehen, werden im Herbst in einer Ausstellung beim Kunstverein Ludwigsburg gezeigt.
Das Motiv ist dabei – wie auch auf dem Schillerbuch – oft sie selbst, „weil ich auch den Freiheitsdrang habe, und man mir das auch ansieht“. So erzählt sie etwa lachend, dass sie bereits mit 16 von zu Hause auszog. Noa Jordan liegt auf dem Boden in einem gemalten weißen Kreis und wurde vom Fotografen aus sieben Metern Höhe abgelichtet. Der Kreis steht als Symbol für das Göttliche und das Vollendete, nach der die Figur strebt. „Für mich ist Freiheit die menschliche Vollendung. Wenn der Mensch sich komplett entwickeln kann, ist er frei.“ Die Helligkeitswerte des Fotos wurden nur noch umgedreht, das Bild auf dem oberen Ende der schwarzen Folie positioniert – wie ein Medaillonbild auf einem Buch.
Schon in der Grundschule entwickelte Noa Jordan, die inzwischen im Besigheimer Teilort Ottmarsheim schläft und in Ludwigsburg lebt, wie sie lächelnd sagt, ihre Leidenschaft für Schiller und seine kraftvollen Geschichten. „Den Taucher fand ich damals ganz toll. Vor allem die Aussage dahinter, dass es zwar darum geht, Dinge erreichen zu wollen, aber eben nicht um jeden Preis.“
Das „Eigenwillige, Freiheitsliebende und Rebellische“ des Dichters faszinierte sie auch während der weiteren Schulzeit, Schiller stand ihr immer näher als etwa Goethe, und auch heute noch gehört Schiller zu ihrer Nachttischlektüre – derzeit liest sie eine andere „interessante und wunderbare“ Abhandlung Schillers über die Schönheit. „Es ist eine große freiheitliche Poesie, eine tiefe philosophische Wahrheit, in dem, was er schreibt. Er ist intellektuell mit Leidenschaft.“ Und genau über diese Leidenschaft bekomme man auch einen Zugang zu Schiller.
Er führe zwar weit aus, „aber über die Emotionalität kann man ihn gut kriegen.“