Vor vier Jahren hat Corinna Jacobs „ihr“ Schiller-Werk als inszenierte Lesung im Literaturarchiv gesehen. Diese fand sie so beeindruckend, dass für sie kein anderes Werk infrage kam. Auch die Fluchtszene auf dem Schillerbuch hatte die Fotografin sofort im Kopf.
„Ein Bekannter von mir hat das Werk, das übrigens auf einer wahren Begebenheit basiert, als Ein-Mann-Stück inszeniert. Das fand ich damals ganz toll“, erzählt die Marbacherin. Bevor sie sich an die Gestaltung des Schillerbuches machte, las sie das dünne Reclam-Heftchen nochmals, die Fluchtszene im Wald kristallisierte sich sofort als Fotomotiv heraus. „Da wird der Protagonist bei einer Schandtat ertappt und muss flüchten.“
Doch es sollte gar nicht so einfach sein, das passende Waldstück zu finden. „Ich wollte einen Nadelwald und das gibt es hier in der Umgebung wenig. Außerdem hatte ich mir in den Kopf gesetzt, dass der Weg geschwungen sein musste“. Zudem sollte die Stelle möglichst mit dem Auto erreichbar sein.
Mehrere Wochenende war sie in den Löwensteiner Bergen unterwegs, suchte nach der passenden Umgebung. „Bekannte haben mir Tipps gegeben, aber nichts passte so richtig.“ Schließlich wurde es ein Waldstück in der Nähe von Prevorst, das sie von einer früheren Wanderung kannte. Das Model war einfacher zu finden: Es ist ihr Cousin. Obwohl er relativ groß und kräftig ist, war auch das Kostüm kein Problem – sie bekam es in der Nähstube für das 18.-Jahrhundert-Fest. Schwierig gestaltete sich auch die Inszenierung mit der Waffe. Ursprünglich hatte die 38-Jährige die Szene mit einer modernen Waffe geplant, die sie bei einem Waffenhändler fotografierte und in das Foto hineinmontierte. Doch dann wies sie ein Freund darauf hin, dass die moderne Waffe nicht in die historische Szene passt. Zufällig hatte er aber einen nachgebauten Vorderlader zu Hause. Nachts holte sie die Attrappe ab. „Ich kam mir vor wie ein Verbrecher, als ich mit der Attrappe wieder nach Hause gefahren bin. Irgendwie ist es ein komisches Gefühl gewesen, schließlich war das eine Woche nach dem Amoklauf von Winnenden.“
Als Schiller-Fan würde sich Corinna Jacobs auch jetzt noch nicht bezeichnen. „Ich finde seine Gedanken interessant und habe vor kurzem ein schönes Gedicht über Glück gelesen, aber ich finde die Sprache teilweise schwer verständlich.“ Dennoch interessiert es sie immer mehr, was im Schillerjahr noch so alles geboten wird. „Es kommen noch einige Aufführungen, die sicher einen schönen Zugang zu Schiller bieten.“