Eigentlich hat Gisela Bury mit Schiller gar nichts am Hut. Und eigentlich wollte die Malerin auch bei dem Projekt nicht mitmachen. Sie wurde überredet – und heute ist sie froh und stolz: „Es ist eine tolle Sache.“
„Mir waren die Bücher und damit die Fläche einfach viel zu groß“, begründet Gisela Bury ihre anfängliche Ablehnung. Zudem lässt sich ihr Atelier im Winter nicht beheizen. „Als wir das Projekt im November besprachen, war es ja bitterkalt“, erklärt sie. Und zu allem Überfluss hatte sie nach der Schule eigentlich auch genug von Schiller. Dennoch ließ sich die Malerin überreden und entschied sich für den Titel, der ihr intuitiv am meisten zusagte. Sie entschied sich auch für die Ballade, die sie in der Schule früher hatte auswendig lernen müssen, weil sie relativ kurz ist und ihr das Thema damals schon zusagte. „Ungefähr wusste ich, um was es ging, und als ich das Gedicht gelesen hatte, fand ich es eigentlich ganz hübsch.“
Als abstrakte Malerin wollte sie jedoch nicht die handelnden Personen und Gegenstände malen, sondern musste das Ganze stilisieren und skizzierte erst einmal auf einem Blatt Papier. „Und dann kam dieses ,Riesenbrett‘ und ich dachte nur ‚Oh Gott‘“. Im Atelier stellte sie den Buchdeckel schräg auf und grundierte die Fläche erst einmal weiß. Das Kunstwerk an sich war dann eine größere Aufgabe: „Ich konnte ja nicht von oben nach unten malen, sondern musste immer von der Seite her kommen.“ Ihr Malkittel war nicht nur einmal komplett verschmiert, weil sie auf bereits bemalter Fläche lag. Vier Wochen brauchte sie insgesamt. „Ich habe im Februar daran gearbeitet und konnte immer nur ungefähr eine Stunde malen, dann war ich komplett durchgefroren.“
Wie immer dominiert auch beim Schillerbuch ihre Lieblingsfarbe Rot. Die blauen und gelben Flächen sind die stilisierten, nur angedeuteten Tiere, Personen, Landschaften und Requisiten. Wer genau hinsieht, kann aber doch einiges erkennen und somit auf den Titel schließen. Zwei- bis dreimal musste sie übermalen, da die Acrylfarbe für außen nur schlecht deckte. „Eigentlich ist das Bild eher gespachtelt als gemalt, mit dem Pinsel wäre ich nicht weit gekommen.“ Weit gekommen ist die 74-Jährige bis jetzt auch nicht mit Schiller. „In der Schule bin ich damit gequält worden, aber das war es dann auch.“ Auch als sie nach Marbach zog, hat sie sich nicht intensiv mit dem Dichter befasst. „Ich lese andere Dinge lieber.“ Teilweise sei Schiller zwar noch zeitgemäß, aber die Sprache und das Versmaß passten doch nicht mehr in die heutige Zeit. „Stolz“ ist sie trotzdem, dass sie beim Schillerbuch-Projekt mitgemacht hat, auch wenn ihr der Bolzplatz als Standort für ihr Buch nicht so ideal erscheint: „Da laufen nicht so viele Menschen vorbei. Es gibt ja nur wenig gemalte Bücher, die hätten alle einen besseren Platz verdient.“ Dennoch sei das Projekt, wenn man sich alle Bücher anschaue, eine „tolle Sache“. Und ein bisschen hat sie das Schillerfieber inzwischen doch auch gepackt: „Bei den Veranstaltungen bin ich auch dabei.“