„Ich bin da völlig unbedarft ’rangegangen“, sagt Jürgen Gemmrich. Er wählte sich sein Schiller-Werk aus, weil er den Titel irgendwie „nett“ fand und weil er offensichtlich etwas mit Wasser zu tun hat – und damit experimentieren Fotografen besonders gern.
Im Internet recherchierte Jürgen Gemmrich erst einmal nach, was er sich da ausgesucht hatte, und fand die Ballade so nett, dass er sie dann auch im Original las. „Den einen oder anderen Satz musste ich zwar zwei-, dreimal lesen, weil es von der Sprache her schwierig war und auch viel Lautmalerisches vorkommt, aber ich finde, es ist eine schöne Parabel.“
Schnell war auch klar, dass das Wasser die Hauptrolle spielen muss. Bei einer Freundin holte er ein Aquarium, stellte es vor ein blau beleuchtetes Leintuch und fotografierte und experimentierte zwei Nächte lang.
Denn es gab einige Schwierigkeiten zu überwinden. „Selbst in einem kleinen Aquarium kann so einiges passieren“, erzählt der Marbacher lachend. Damit schöne Strudel im Wasser entstehen, musste er mit der Hand immer wieder das Wasser umrühren und plötzlich waren die Hand der Schaufensterpuppe und der Gold lackierte Zinnkelch, den er im Internet für einen Euro erstanden hatte, nicht mehr am Platz, weil der Klebstoff nicht gehalten hatte. „Mehrmals hatte ich auch kleine Überschwemmungen in meinem Studio.“
Auch bis die Perspektive stimmte, damit es wirklich so aussieht, als ob der Kelch gerade ins Wasser fällt, dauerte es eine Weile. „Ich habe bestimmt 100 Aufnahmen gemacht, bis alles passte“, erzählt der 49-Jährige. Und zum Schluss mussten bei der Bildbearbeitung auch noch die Luftblasen einmontiert werden. Um die zu erzeugen, hat sich Nolan, wie Jürgen Gemmrich eigentlich genannt wird, extra von einem Freund eine Aquariumpumpe geliehen.
Einiges an Aufwand also, der ihm Schiller aber auch wert war. Schließlich habe er ein „ganz, ganz besonderes Verhältnis“ zu dem Dichter. „Ich wohne in der Schillerstraße“, erzählt er. Witzig sei allerdings, dass kaum jemand in Marbach wisse, dass die Schillerstraße die Straße zwischen Bahnhof und Cottaplatz sei. Der Wohnort ist dann aber auch sein einziger Bezug zu Friedrich Schiller.
Jürgen Gemmrich wuchs in Beilstein auf und musste zwar am dortigen Gymnasium auch Standardwerke wie „Maria Stuart“ und „Wilhelm Tell“ lesen, aber dabei blieb es dann auch – bis zu den Schillerbüchern. „Ich habe mich mit den Inhaltsangaben der anderen Werke auf der Liste befasst, weil ich wissen wollte, wie die anderen Künstler die verschiedenen Werke umgesetzt haben.“
Auch die eine oder andere Veranstaltung im Schillerjahr besuchte er, etwa das Open-Air-Theater. Und Nolan hat beim 18. Jahrhundertfest fotografiert. „Die Ausstellung der Bilder ist mein Beitrag zum Schillerjahr.“