Fünf Seiten Lektüre genügten – dann wusste Dieter Hermenau, wie er seinen Schiller-Titel umsetzen würde. Fotos von einem Auge, einer Gondel und von der Silhouette des Markusplatzes in Venedig verfremdete er am Computer.
„Der Titel hatte etwas Magisches und klang interessant“, erklärt Dieter Hermenau seine Auswahl. Außerdem seien nur noch wenige Titel übrig gewesen, als er zum Projekt stieß.
Im Internet suchte er sich dann den Text heraus, las die ersten Seiten und legte los mit zeichnen. „Es geht um Venedig, um den Karneval und um einen Kriminellen, der gesucht wird“, fasst der 48-Jährige den Inhalt zusammen. Das Auge, die Gondel und der Markusplatz tauchten sofort als Motive vor seinem geistigen Auge auf.
Auch wusste der Illustrator, dass er auf dem Buch mal etwas anderes machen wollte. „Normalerweise mache ich Cartoon-Comic, aber das erschien mir nicht passend für das Projekt.“
Er entschied sich schließlich für eine Mischtechnik aus gescannten Fotos und der Vektorentechnik als Computerprogramm. „Durch das Vektorenprogramm entstehen Unregelmäßigkeiten und Kanten und diesen Effekt wollte ich ausnutzen. Damit kann man gut experimentieren.“ Durch die Technik wirken nun zum Beispiel die Farbspritzer völlig anders.
Auch das Auge verfremdete er am Rechner. „Das kam besser heraus, als ich gedacht hatte.“ Ursprünglich hatte der Freiberger das Auge mit weniger Einzelelementen geplant. Um es interessanter zu machen, arbeitete er mit mehreren Filtereffekten. Nun wirkt es geradezu gespenstisch und erinnert nur noch entfernt an ein reales Auge. Nicht ganz so ideal erwies sich die Technik für die Wellen. Eigentlich sollte Nebel über das Schillerbuch wabern, aber da dieser nicht so wirkte, wie Hermenau es sich vorstellte, entschied er sich für die Wellen.
Bewusst ist das ganze Kunstwerk in Blau gehalten. „Venedig verbindet schließlich jeder sofort mit Wasser.“ Überrascht war der 48-Jährige auch davon, dass die Vergrößerung so gut funktionierte. „Das Original ist ungefähr 20-mal kleiner.“
Mit Schiller und seinen Werken hat Hermenau seit der Schule nichts mehr am Hut. „Wie vielen Marbachern wurde mir Schiller in der Schule verleidet. Jedes Buch wurde auseinandergerupft. Das war mir zu viel.“
Die Seiten, die er in „seinem“ Werk gelesen hat, hätten zwar schon Lust auf mehr gemacht, „die Länge des Werks schreckt einen aber doch wieder ab.“
Von dem Schillerbuch-Projekt selbst ist Dieter Hermenau indes begeistert: „Die Gestaltung dieser Giganten war eine interessante Aufgabe.“