Der Titel „seines“ Schillerbuches hat Frank Lukas so beeindruckt und inspiriert, dass er sich gar nicht weiter mit dem Werk befasste, sondern einfach nur beim Malen den einen Satz auf sich wirken ließ.
Zudem geht es in dem Titel um das weibliche Geschlecht und Frank Lukas malt bevorzugt Frauen. „Vielleicht, weil ich ein Mann bin“, sagt der 45-Jährige lachend. Mit Schiller und dem Werk setzte er sich nicht auseinander – bewusst. „Der Titel für sich war schon eigenartig und bestechend genug, mehr musste ich gar nicht wissen.“
Er sei außerdem kein Maler, der illustrativ oder symbolisch male, sondern seine Porträts stünden allein für sich. „Wenn man sich vor das Schillerbuch stellt, das Porträt näher und länger betrachtet, es auf sich wirken lässt, ist der Satz zu erkennen.“ Zumindest er sehe ihn, auch wenn er nicht wisse, wo genau er zu erkennen sei. Der Stil sei es nicht. „Diese Art zu malen habe ich schon lange. Das hat sich entwickelt.“
Den Satz hatte er während des Malens die ganze Zeit im Hinterkopf, ließ ihn in das Bild einfließen. Das Porträt zu malen, das übrigens auf einem Foto basiert, das Lukas irgendwann einmal ausgeschnitten hatte, war weniger das Problem als die Größe des Buchdeckels. „Normalerweise sind meine Porträts so groß wie das Ohr der Frau auf dem Bild“, sagt Lukas lächelnd.
Gerade so konnte er das 3,40 Meter hohe Buch in seinem Atelier aufstellen, arbeitete von der Leiter aus am Objekt, was aber auch Vorteile hatte. „Es war eine tolle Sache, weil man nicht nur mit dem Pinsel, sondern im Prinzip mit dem ganzen Körper malt.“ Statt nur mit dem Handgelenk arbeite man mit dem ganzen Arm. Immer wieder müsse man von der Leiter heruntersteigen, um das Bild im Ganzen auf sich wirken lassen zu können.
Seit vier Jahren lebt der Künstler übrigens in Marbach, mit Schiller hat er sich trotzdem noch nicht befasst – zumindest nicht mit der Literatur. Mit dem Menschen dafür schon.
Vor kurzem sei er mit seinen Kindern auf der Schillerhöhe gewesen. Es windete, die Blätter fielen von den Bäumen, und er versuchte, mit seinen Kindern die fliegenden Blätter aus der Luft zu fangen. „Es gibt ein Sprichwort, dass man sich etwas wünschen darf, wenn einem dies gelingt“, erklärt er lächelnd. Plötzlich landete ein Blatt direkt auf dem Kopf der Schillerbüste. „Da habe ich mich gefragt, was er sich wohl wünschen würde.“
Sonst entdecke er aber auch im Schillerjahr den Dichter nicht wirklich. „Mir ist der Wirbel, der gerade gemacht wird, zu viel.“ Für ihn sei wohl die Zeit für Schiller noch nicht gekommen. „Aber wahrscheinlich kommt irgendwann die Zeit, in der ich auf ihn stoßen werde.“