Schillerbücher
5. Juni 2009 | Drucken | Versenden
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Arbeitet gerne und viel mit Glas: Susanne Feix.
Arbeitet gerne und viel mit Glas: Susanne Feix.
Bild: Alfred Drossel
MARBACH

Schlangen- und Zickzacklinie stammen vom Dichter

Wenn die Sonne darauf strahlt, dann funkelt und leuchtet es nur so, die Bäume spiegeln sich in der Scheibe: Auch deshalb fasziniert Susanne Feix das Material Glas. Und für die Umsetzung ihres Schiller- Titels erschien es ihr geradezu ideal

„Intuitiv“ suchte sich Susanne Feix ihren Titel aus, ohne zu wissen, wovon er wirklich handelt und was sich dahinter verbarg – aber der Titel beinhaltete ein Thema, mit dem sie sich als Künstlerin tagtäglich beschäftigt.
Nachdem sie im Internet eine Zusammenfassung der Briefe Schillers gelesen hatte, nahm sich die 49-Jährige die Texte auch einzeln vor. „Sie waren wahnsinnig schwer zu lesen, da sie doch hochphilosophisch sind und damals eine andere Denk- und Argumentationsweise herrschte, aber ich war sehr neugierig darauf, was Schiller zu dem Thema zu sagen hatte.“ Deshalb fand die Künstlerin auch schnell einen Zugang und holte sich die Idee für ihr Werk sogar direkt aus den Briefen.
Schiller verglich in einem Brief nicht nur eine Schlangenmit einer Zickzacklinie, sondern malte die beiden Linien auch selbst. Und daran orientierte sich Susanne Feix. Statt der Buchstaben A bis I sowie K und L, die Schiller mit der Zickzacklinie verband, wählte sie Glaskugeln als Eckpunkte, ließ lediglich das K und L stehen – „aus ästhetischen Gründen.“ Die rote Schlangenlinie steht abgetrennt für sich, ebenso die unterste Scheibe mit den Begriffen. Es sind Begriffe, die Schiller in seinem Brief erwähnt und sich dabei auf Größen wie Immanuel Kant bezieht und auf denen er seine Theorie als vierte mögliche mit dem Begriff „sinnlich objektiv“ aufbaut. Zudem dient die Schrift als weiteres Gestaltungsmittel, schließlich war Schiller Schriftsteller. Auch die Umsetzung mit drei Glasplatten war für Susanne Feix schnell klar. „Ich hätte auch malen können, aber Glas fasziniert mich schon lange, ich experimentiere viel damit. Ich bin sozusagen von der Ästhetik des Glases verführt.“
Ein erster Kostenvoranschlag brachte zwar erst einmal die große Ernüchterung, doch da sie eine Marbacher Firma als Sponsor gewinnen konnte, ließ sich ihr Wunschbild doch realisieren und leuchtet nun den Autofahrern vom Gerberplatz entgegen.
Denn das Spiel mit den leuchtenden und fröhlichen Farben, etwa mit der knallgelben Grundfarbe, mit dem Gegensatz zwischen flächig und plastisch, ist weiteres Gestaltungsmittel, mit dem die Marbacherin arbeitet. „Es ist also alles durchdacht, ich wollte bei der Umsetzung auch Eigenes mit einbringen.“
Über die Beschäftigung mit Schiller ist sie nun auch selbst neugierig auf Schiller geworden: „Ich würde anders argumentieren als er, aber mein Interesse ist geweckt.“ Kannte sie bisher nur Werke, die sie in der Schule lesen musste, könnte sie sich nun durchaus vorstellen, weitere Dramen von Schiller zu lesen, etwa „Kabale und Liebe“.
PATRICIA RAPP