Es war nicht Friedrich Schiller, sondern Giacomo Puccini, der Fotograf Claus Rudolph faszinierte: Vor vielen Jahren hat er die zum Werk Schillers gleichnamige Oper in Verona gesehen und die Musik der Oper seitdem nie mehr vergessen.
Bei den Festspielen in der Arena von Verona hat er die Oper zum ersten Mal gesehen und war begeistert: Von Luciano Pavarotti und von der Musik. „Sie hat mich berührt, warum auch immer.“
Ganz bewusst hat Claus Rudolph sich den Titel ausgesucht, auch weil ihn die Geschichte dahinter fasziniert: Im Ursprungswerk geht es um eine Prinzessin in einer Erzählung aus der orientalischen Sammlung „Tausendundein Tag“, die jeden Freier köpfen lässt, der ihre Rätsel nicht lösen kann. Zudem setzt er sich schon sehr lange mit Lilith auseinander. In der christlichen Auffassung ist sie die Schlange der Verführung, bei den Juden und in der Mythologie Adams erste Frau. Sie wird, so erzählt Rudolph, aus dem Paradies vertrieben, weil sie die Gleichberechtigung will. In vielen Sagen steht Lilith als Symbolfigur für die Verführung und Manipulation – wie die Hauptfigur in Schillers Werk.
Ein Bild des späteren Fotos hatte der 55-Jährige schnell im Kopf, der verführerische Blick der Chinesin, der mitten ins Herz geht, die abgehackten Köpfe. Das Amateurmodel buchte er für einen Tag und fotografierte es vor dem Chinahaus in Freiberg – „mit Stromgenerator, Licht und allem Drum und Dran“. Die Kleider hatte er im Fundus, die Köpfe kamen vom Staatstheater. Keine Frage war es für den Marbacher, dass er beim Projekt des Stadtmarketingvereins mitmacht: „Ich mache ohnehin viel Kunst, erzähle mit meinen Fotos gerne Geschichten und dann auch noch dieses Thema!“
Und an Schiller selbst kam und kommt er als theater- und kulturinteressierter Mensch ohnehin nicht vorbei. „Schiller gehört zur Region und als Theaterfotograf stößt man ebenfalls oft auf ihn.“ Schiller ist für ihn „einer unserer großen Dichter“. Seine philosophischen Hintergründe seien noch heute aktuell, es habe nur eine geringe Weiterentwicklung gegeben. Er geht sogar so weit zu sagen, dass Querdenker wie Schiller heute aktueller sind denn je. „Den Freigeist von Schiller kann ich nur weiterempfehlen, um die derzeitige Krise im System zu bewältigen.“ Es könne nicht nur um Kapital gehen, sondern um ein „Nettoglücksgefühl“. Die Armut Schillers habe ihm Kraft gegeben, das zu erschaffen, was heute noch bestehe. „Man muss Ecken und Kanten haben und diese zulassen“, sagt er und lebt auch selbst nach diesem Freigeist- Prinzip. Insofern sei Schiller „einfach ein geiler Alter“.