Er heißt mit Nachnamen Glock und sein Schillerbuch ziert eine Glocke: Beim Werk von Dieter Glock, das vor dem Autohaus Betz steht, fällt es wahrlich nicht schwer, den Titel zu erraten.
„Natürlich habe ich mir den Titel bewusst ausgesucht. Bei meinem Namen lag das einfach nahe“, sagt Dieter Glock lächelnd. Wie alle Schüler musste er einen Teil der Ballade in der Schule auswendig lernen, von da an hatte er aber mit Schiller und erst recht mit dem Gedicht nichts mehr zu tun.
Auswendig gelernt hat der 44-Jährige die Ballade dieses Mal nicht, sich dafür aber intensiv damit beschäftigt und festgestellt, dass das, was Schiller damals im Gedicht beschrieb, noch heute seine Gültigkeit hat. „Vor allem, wie er das Volk und seinen Lebensweg dargestellt hat“, findet er.
Keine Frage war natürlich dann, dass die Glocke selbst auf dem Buch auftauchen muss, ebenso das Porträt Schillers. Aus einer 1,80 auf 1,50 Meter großem Blechplatte schnitt er mit der Flex die Form aus. „Das hat irre Spaß gemacht, wenn man sich auf dieser Größe auslassen kann.“
Das Schiller-Motiv ähnelt stark den klassischen Porträts des Dichters, die Glocke gewinnt zusätzliche Tiefe durch die Weltkarte darauf. „Damit wollte ich auch zeigen, dass Schillers Weltanschauung noch heute gilt. Die Erdkugel sah damals auch so aus wie heute“, erklärt der Marbacher Künstler.
Alle Konturlinien arbeitete er ebenfalls mit der Flex heraus. „Ich mache so etwas schon seit mehr als zehn Jahren. Am Anfang sah es noch sehr grobmotorisch aus, aber mit der Zeit bekommt man Übung, und die Linien werden trotz Flex sehr fein“, sagt er lachend. Als Kontrast zu den geschliffenen Linien dient das schwarz lackierte Metall. Die dunkelrote Hintergrundfarbe passte schließlich gut zum Gesamtbild.
Insgesamt sechs Wochen – von der Skizze bis zum fertigen Werk – arbeitete Dieter Glock an dem Buch. Mit Leidenschaft, ist er doch auch mit Schiller verwandt. „Mit der Schwester Christina von Schillers Großvater Johannes fängt der Stammbaum unserer Familie an“, erzählt er. Dennoch hatte er bis zum Projekt mit Schiller nicht viel am Hut. Nachdem er sich nun mit dem Gedicht intensiv befasst hat, sich mit Schiller auseinandergesetzt und andere Dinge überflogen hat, ist er neugierig geworden.
„Schiller war in seiner Zeit eine herausragende Persönlichkeit“, findet der 44-Jährige. Er sei wegbereitend für die Literatur gewesen, und man könne heute noch etwas mit ihm anfangen. „Natürlich ist das aber Interpretationssache.“ Zur Vorbereitung hat er außerdem die Biografie Schillers gelesen und fand vor allem seine Ausdauer beeindruckend. „Er wollte unbedingt Schriftsteller sein, dabei hat es einige Jahre gedauert, bis er davon leben konnte.“ Überhaupt schätze er Schiller nach dem Projekt nun ganz anders ein, habe viel mehr Lust, sich mit ihm zu beschäftigen. „Schiller hat durch die Beschäftigung mit ihm gewonnen.“