(fri) – Der Amoklauf von Winnenden hat auch den Alltag der Polizeidirektion Ludwigsburg nachhaltig beeinflusst: Bis zum Jahrestag der Bluttat an der Albertville-Realschule vor einer Woche hat es die Polizei im Landkreis mit 100 Trittbrettfahrern und Hinweisen auf einen möglicherweise bevorstehenden Amoklauf zu tun gehabt.
Vorläufiger Höhepunkt dieser Entwicklung war vor knapp zwei Wochen der Fall des 22-Jährigen, der mit einer Schreckschusspistole sowohl vor dem Beruflichen Schulzentrum in Bietigheim als auch am Römerhügel in Ludwigsburg aufgetaucht war; zuvor hatte er seine Freundin am Telefon bedroht. Bis der Mann festgenommen war, vergingen fast zwei Stunden. Weil sich zunächst das Gerücht hielt, es handle sich um einen Amoklauf, waren manche Schüler so lange in ihren Klassenzimmern eingeschlossen.
Nicht alle Fälle, die bei der Polizei als „Straftaten gegen die öffentliche Ordnung“ geführt werden, sind so spektakulär und öffentlichkeitswirksam. Etwa ein Drittel der Amokdrohungen registrierten die Ludwigsburger Beamten im Internet, in anderen Fällen wurden verdächtige Personen gemeldet, die vermummt seien und Gegenstände unter dem Arm hätten.
52 Trittbrettfahrer sind ermittelt worden, gegen 14 von ihnen laufen strafrechtliche Ermittlungsverfahren, so Ludwigsburgs Polizeichef Frank Rebholz. In vielen Fällen würden den Tätern auch die Gebühren für den Polizeieinsatz (Rebholz: „Ein hoher dreistelliger Betrag“) in Rechnung gestellt. In Zusammenarbeit mit den Schulen werde auch darauf hingewirkt, dass eventuell wegen einer Amokdrohung ausgefallener Unterricht nachgeholt wird – denn oft stecke nicht mehr hinter den Drohungen, als den Ablauf in der Schule durcheinanderzubringen.
Dennoch: „Mit dieser Dimension haben wir nicht gerechnet“, bekennt Rebholz. Eine Dimension, die viel Personal gebunden habe. Täter waren übrigens – wenig überraschend – überwiegend Kinder und Jugendliche.