(map/je) – Braucht Ludwigsburg ein Energiezentrum? Und soll die Stadt eigenes Geld hineinstecken? Fragen, die noch vor zwei Jahren heftige Debatten auslösten. Erst das Jahr 2009 brachte den Durchbruch. Und heute, angesichts weiterer Verluste an Industriearbeitsplätzen, sind Arbeitsplätze mit Zukunft gefragter denn je.
Viele können es noch immer nicht fassen. Am Dienstag dieser Woche verkündet das einstige Ludwigsburger Traditionsunternehmen Getrag, dass es in Ludwigsburg auch noch den letzten Arbeitsplatz abbauen will. Und einen Tag nach dieser Hiobsbotschaft folgt schon die nächste. Eines der Projekte, mit denen die Stadt dem Abbau eben solcher Arbeitsplätze etwas entgegensetzen will, geht in Flammen unter: das Energiekompetenzzentrum.
Bildergalerie Großbrand Ludwigsburger Energiezentrum
Die Macher sind zwar geschockt, wollen aber nicht aufgeben und an anderer Stelle ihren Traum wahr werden lassen. Das Zentrum ist ein Zusammenschluss mehrerer Institutionen und Firmen, die sowohl Unternehmen als auch Privatleute in Sachen Energiepolitik informieren und beraten sollen.
Getragen wird es vom Verein „Energetikom“, der eigens zu diesem Zweck gegründet wurde. Mitglieder sind die Stadt Ludwigsburg, deren Stadtwerke und Wohnbaugesellschaft, die Ludwigsburger Energieagentur (LEA) sowie private Unternehmen aus der Bau- und Ingenieursbranche. Auch die Region Stuttgart fördert das Projekt.
Energetikom soll nicht nur beratend tätig sein, sondern auch selbst neue Ideen und Projekte entwickeln. Dabei sollen in Zusammenhang mit der Wissenschaft neue Erkenntnisse schneller als bisher den Weg in die Praxis finden.
Sein Zuhause sollte Energetikom in der Halle 2z in der Rheinlandstraße, nahe der Schwieberdinger Straße, finden. Die Halle, die gestern Morgen durch einen Brand zerstört wurde, gehörte einst der Firma Ziemann. Diese hat hier Braukessel gebaut. Lange Zeit stand die Halle leer. Der heutige Eigentümer und Ludwigsburger Unternehmer Max Maier ließ die Halle in Kooperation mit Energetikom umbauen. Aus einer maroden Industriehalle sollte ein Bürogebäude entstehen, das höchsten energetischen Ansprüchen genügt.
Nach dem Haus-in-Haus-Prinzip wurde die Halle 2z umgebaut. Der alte Bau sollte nur als Hülle für eine dreistöckige Holzkonstruktion stehen bleiben. Auf den einzelnen Etagen waren Büroräume geplant. Die eine Hälfte war für das Energetikom, die andere Hälfte für eine Werbeagentur.
Die so neu umgebaute Halle sollte zeigen, wie leistungsfähig das neue Zentrum ist. Gleichzeitig wollte man einen neuen Markt erschließen, mit der Entwicklung industriell vorgefertigter Teile für den Innenausbau stillgelegter Industriehallen. Ein Folgeprojekt gibt es schon: Im Neubaugebiet Hartenecker Höhe wird eine alte Turnhalle nach dem Haus-in-Haus-Verfahren zu einem Kindergarten umgebaut.