25. November 2009 | Drucken | Versenden
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Aus der Traum: Tamms größte Steuerquelle ist bis auf Weiteres versiegt.
Aus der Traum: Tamms größte Steuerquelle ist bis auf Weiteres versiegt.
Archivbild
TAMM

Tammer müssen wohl für Porsche-Debakel zahlen

Vom Krösus zur Kirchenmaus: Die Wirtschaftskrise und vor allem die rasante Talfahrt des Sportwagen-Herstellers Porsche schlagen voll auf die Tammer Finanzen durch. Bezahlen werden das auch die Bürger müssen: Steuererhöhungen sind 2010 kaum noch zu verhindern.

Zwar will der Gemeinderat erst einmal selber bittere Pillen schlucken, statt sie gleich an die Bevölkerung zu verteilen: Er setzte am Montagabend eine „Haushaltskonsolidierungskommission“ ein – wobei aber schon dieses Wortungetüm klarmacht, dass sich die Beratungen dieser Kommission nicht nur um Sparvorschläge drehen werden. Vielmehr halten Bürgermeister Roland Zeller und seine Kämmerin Franziska Wunschik teils kräftige Erhöhungen von Grund- und Gewerbesteuer, von Hunde- und Vergnügungssteuer sowie von Kindergarten- und Bestattungsgebühren für unumgänglich.
Denn wiewohl die Welt in Tamm noch in Ordnung scheint und Zeller für 2009 einen Nachtragshaushalt ankündigt, in dem nochmals über 15 statt der bisher kalkulierten 10,5 Millionen Euro Gewerbesteuereinnahmen stehen werden, reicht das nur dazu, die Tammer Schulden zu begrenzen: Die Rücklage ist zum Jahresende nahezu bis auf den gesetzlich vorgegebenen Mindeststand abgefrühstückt. Anders als etwa das benachbarte Bietigheim-Bissingen, das im selben Maß mit dem Porsche-Debakel leben muss, hat die 12 000-Einwohner-Kommune damit keine Reserven mehr, mit denen sie aktuelle Haushaltslöcher stopfen könnte.
Und solche Löcher wird es nächstes Jahr in Tamm reichlich geben: Nur noch 4,2 statt jetzt 15 Millionen Euro Gewerbesteuer, ein Minus beim Einkommenssteuer-Anteil von 776 000 und bei den Schlüsselzuweisungen vom Land um 546 000 Euro – die Liste solcher Schreckenszahlen für jeden Kämmerer ließe sich fortsetzen. Ihre Konsequenz: Zu einem ausgeglichenen Haushalt werden der Kommune 2010 summa summarum mindestens 4,7 Millionen Euro fehlen – und es ist nicht zu erwarten, dass noch so viele Rotstiftrunden dazu führen können, diese Summe im laufenden Geschäft einzusparen.
Trotzdem erklärte LLT-Rat Rolf-Dieter Jenner Steuererhöhungen für seine Fraktion zum Tabu. Weil Jenner zugleich forderte, auch die Neuverschuldung möglichst gering zu halten, entgegnete ihm AWV-Fraktionschef Jürgen Hottmann, er freue sich schon auf die Vorschläge der LLT, wie diese „Quadratur des Kreises“ zu schaffen sei.
Auch Sonja Hanselmann-Jüttner sprach sich namens der SPD für eine Beratung ohne Vorfestlegungen aus: „Wir müssen alles zur Diskussion stellen.“ Man darf gespannt sein, ob dazu auch die Frage gehört, ob Tamm nicht doch ein bisschen zu sehr auf den vermeintlichen Wundertäter Wendelin Wiedeking vertraut hat.

Steffen Pross
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