Ludwigsburg – Stressresistent, gelassen und fürsorglich – so ist das Tor zur Wirtschaft. Zumindest an der Pforte des Ludwigsburger Filterherstellers Mann + Hummel. Dort hat Marion Godel das Sagen.
Filterhersteller Mann + Hummel, Haupteingang Schlieffenstraße. Neun Quadratmeter groß ist der Arbeitsplatz von Marion Godel. Den hat sie für sich alleine. Sie darf ihn auch nicht verlassen, schließlich werden dort Alarme gemeldet. Fällt ihr etwas auf, muss sie reagieren. Sofort.
Die Pforte bei Mann + Hummel hat was von einer kleinen Hightech-Schaltzentrale, wie man sie aus James-Bond-Filmen kennt: Kameras auf drei Bildschirmen, Telefone für die Gegensprechanlagen an den Außentoren, ein Aufzugsnotruf, die Steuerung für die Tore. Hier laufen die Dinge zusammen. Schlicht, sachlich-modern ist die Umgebung: Eine kreisrunde Theke trennt Godels vor wenigen Jahren neu gestaltetes, wohl klimatisiertes Refugium von dem der Mitarbeiter und Besucher.
Meist steht die 45-Jährige am PC, dort kann sie einsehen, welche Gäste und Besucher am jeweiligen Tag angekündigt sind. Godel arbeitet gerne stehend: „Da kann ich den Besuchern auf Augenhöhe begegnen“, sagt die Frau, die sich den Dienst mit ihren Kollegen vom Stuttgarter Bunk Sicherheitsdienst in drei Schichten einteilt. Die Aufgabe: Bei Mann + Hummel rund um die Uhr für Sicherheit zu sorgen. Werkschutz, heißt das im Fachjargon. Godel arbeitet meist früh von 6 bis 14 Uhr oder spät von 14 bis 22 Uhr. Die Dienstkleidung samt Krawatte und weißer Bluse verschafft ihr Respekt.
Es gibt Momente im Arbeitsalltag, da prasselt’s ganz schön auf die Pförtnerin ein: die DHL bringt Pakete, ein ungeduldiger Lieferant beim Tor an der Grönerstraße bittet um Einlass, ein Angestellter eines Fremdunternehmens sucht seinen Arbeitsplatz, ein Mitarbeiter will schnell einen Schlüssel abgeben, ein Lkw will in den Hof fahren. Alles kommt auf einmal. Schnelle Entscheidungen sind gefragt: Was und wer ist jetzt wichtig? Was braucht länger, was muss schnell erledigt werden? Keiner darf ziellos umherirren. „Fürsorge in Form von Vorsorge“ – so lautet ihr Auftrag. Gelassen bewältigt Godel den Andrang, stets ein Lächeln auf den Lippen.
„Zum Schlafen komme ich bei dem Job nicht“, sagt sie. Die Zeiten seien vorbei, an denen ein bemützter Pförtner Roman lesend da saß, um alle halbe Stunde mit dem Finger die Schranke zu bedienen. Bei Mann + Hummel arbeiten in Ludwigsburg 2750 Menschen, davon knapp 1100 an der Schlieffenstraße, wo Godel arbeitet – genug für ausreichend Action. Selbst wenn’s ruhiger wird, schreibt sie Tagesberichte für den Schichtwechsel.
Stressresistenz und Selbstbewusstsein gehörten zum Job. Und man sollte Menschen mögen, Dinge nicht persönlich nehmen. Natürlich werde sie auch mal angeschnauzt, etwa weil ein Fahrer dringend seinen Lkw beladen will, um eine Ladung frischer Filter pünktlich in die weite Welt hinauszufahren. „Da sage ich mir: die Jungs stehen unter Druck, und versuche freundlich zu sein, zu deeskalieren.“
Vom Mitarbeiter bis zum Besucher, vom Manager bis zum Handwerker – alle müssen sie an Godel vorbei. Da wird dann schon mal geplauscht, wenn Leute warten müssen: über Urlaubserlebnisse, Haustiere oder auch exotischere Themen wie individuelle Schneckenbekämpfungsmittel. Godel macht das Spaß. 20 Jahre lang war sie in der Immobilienverwaltung tätig. „Nicht so erfüllend“, sagt sie im Rückblick. Mit Menschen umzugehen. Mami für alles zu sein – das liege ihr schon eher.
Egal, ob die mit neun Rauchmeldern ausgestattete Küche einen Brandalarm auslöst, ein Gast den Stellplatz des Geschäftsführers belegt und sich weigert, umzuparken, oder ein hypernervöser Lkw-Fahrer über die Sprechanlage ein unverständliches „Lade Hungarrrn“ in den Apparat brüllt – Godel versucht immer cool zu bleiben. Doch einmal, erinnert sie sich, sei das anders gewesen. Es war die Zeit der Kofferbomben-Attentate. Und plötzlich taucht mitten auf dem Mann + Hummel-Parkplatz eine herrenlose Tasche auf. Auch wenn der Fall sich später als harmlos herausstellte: „Da krieg’ ich dann schon mal Herzklopfen und bebe innerlich.“