Wird über Klimawandel gesprochen, geht es meist um schmelzende Gletscher und steigende Meeresspiegel. Doch die Veränderungen spielen sich auch direkt vor unserer Haustür ab. So wird es den Winter, wie wir ihn kennen, bald nicht mehr geben, sagt der Sprecher des baden-württembergischen Umweltministeriums, Karl Franz, im Gespräch mit Ippokratis Ioannidis.
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Unerbittlich zieht der Winter übers Land und regiert mit eisiger Hand“ – trägt dieses Bild vom Winter auch in Zukunft?
Karl Franz: Nein. Für viele Menschen wird die weiße Weihnacht zu einer Erinnerung aus Kindertagen. Nach den vorliegenden Klimaprognosen wird es mittelfristig nur noch in den höheren Lagen der Mittelgebirge wie dem Schwarzwald und dem Allgäu verlässlich Schnee und Eis in den Wintermonaten geben. In tieferen Lagen wird das zur Ausnahme. Natürlich wird es auch künftig Wetterkapriolen geben. Das bedeutet, dass es auch mal einen kalten und schneereichen Winter geben kann.
Wie werden sich die Winter im Südwesten entwickeln?
Die Winter werden milder, die Frosttage weniger und die Niederschläge werden zunehmen. Im Feldberggebiet werden beispielsweise die Frosttage im Zeitraum 2020 bis 2050 von derzeit noch über 150 auf etwa 130 Tage zurückgehen. In Freiburg sinkt dagegen die Zahl der Frosttage im selben Zeitraum auf etwa die Hälfte ab, von derzeit etwa 50 auf 25 Tage mit Temperaturen unter 0 Grad Celsius. Vor allem in den westlichen Landesteilen wird es vermehrt regnen.
Müssen wir auch im Winter künftig öfter mit extremen Wettersituationen rechnen?
Das zeichnet sich schon lange ab: So haben die Hochwasserereignisse bereits in den vergangenen 30 Jahren vor allem in den Wintermonaten um bis zu 25 Prozent zugenommen.
Gibt es auch Auswirkungen, denen man etwas Positives abgewinnen könnte?
Für unsere Breiten führt der Klimawandel zunächst zu Veränderungen, die entsprechende Anpassungen notwendig machen. Das betrifft beispielsweise Vorkehrungen wie einen verbesserten Hochwasserschutz ebenso wie Umstellungen in der Land- und Forstwirtschaft. Wenn dies gelingt, kann von einer begrenzten Erwärmung beispielsweise der Tourismus ebenso profitieren wie auch der Weinbau. Auch die Heizperiode wird kürzer werden. Dennoch darf bei dieser Betrachtung die globale Dimension nicht aus dem Blick geraten. In weiten Teilen der Erde werden sich die Lebensbedingungen beispielsweise durch den weiter wachsenden Mangel an Trinkwasser weiter verschlechtern. Eine Folge wird sein, dass die Zahl der Klimaflüchtlinge steigen wird.
In welchen Zeiträumen spielen sich die Veränderungen ab?
Klimabetrachtungen müssen sich über längere Zeiträume von Jahrzehnten erstrecken, schon um nicht natürlichen Schwankungen beim Wettergeschehen aufzusitzen. Der Hitzesommer 2003 etwa ist alleine noch kein Beweis für die Klimaerwärmung. Erst durch die Betrachtung längerer Zeitreihen wird erkennbar, ob sich das Klima verändert hat.
Lässt sich der Klimawandel noch aufhalten?
Nein, aber inwieweit sich die in den vergangenen Jahrzehnten bereits festgestellte Erwärmung weiter fortsetzen wird, hängt mit davon ab, ob es gelingt, den Ausstoß von Treibhausgasen drastisch zu verringern. Dabei muss man aber immer auch im Hinterkopf haben, dass selbst dann die Klimaerwärmung noch für Jahrzehnte fortschreitet: Das Klima hat einen langen Bremsweg.
Info: Der CO-Ausstoß spielt bei der Klimaveränderung die entscheidende Rolle. Zusammen mit anderen Treibhausgasen trägt CO zur Erderwärmung bei. Wer wissen will, wie viel Kohlendioxid er pro Jahr selbst verursacht und was er dagegen tun kann, findet im Internet Antworten und einen CO-Rechner unter: