Der Winter beginnt am 1. November. Zumindest für die Männer und Frauen der Technischen Dienste Ludwigsburg (TDL). Ab 1. November sind sie bereit, Straßen und Wege von Eis und Schnee zu befreien. Und dabei überlässt man nichts dem Zufall.
Vom 1. November bis zum 31. März ist täglich ab 3 Uhr in der Früh ein Mitarbeiter unterwegs und kontrolliert die Straßen. Nicht nur in der Innenstadt, sondern im ganzen Stadtgebiet.
Richtig los geht es dann, wenn der Erkundungsdienst Glatteis oder starken Schneefall meldet. Notfalls können innerhalb kürzester Zeit 130 Mitarbeiter der TDL mobilisiert werden. Auch nachts. Denn eines ist klar: Bis in die frühen Morgenstunden, bis der Berufsverkehr ins Rollen kommt, müssen die Straßen befahrbar sein.
Dafür stehen der TDL sechs große Lkws, die als Streu- und Räumfahrzeuge genutzt werden können, zu Verfügung. Außerdem 26 kleinere Fahrzeuge, mit denen Gehwege und Friedhofswege vom Schnee befreit werden. Ab Ende Oktober ist der gesamte Fuhrpark auf den Wintereinsatz vorbereitet und startklar.
„In Ludwigsburg arbeiten wir nicht mit Festsalz, sondern mit einer Salzlauge“, erklärt Uli Sauerzapf, der für die Planung des Winterdienstes zuständig ist. Die Lauge wird von der TDL selbst angerührt. 2000 Tonnen Salz ruhen in den Lagern. „Das reicht für einen normalen Winter“, sagt Sauerzapf.
Jeder Großeinsatz des Winterdienstes wird zentral von einem Einsatzleiter gesteuert. Er informiert auch im Falle eines Nachteinsatzes die zuständigen Bereichsleiter. Die Bereichsleiter informieren wiederum ihre Mitarbeiter. Die Telefonkette ist bis ins letzte Detail geplant. Jeder weiß genau, was er zu tun hat.
Unterstützung erhalten die TDL dabei von den Wettervorhersagen. Die Mitarbeiter stehen in ständigem Kontakt mit den Wetterdiensten. Außerdem gibt es im gesamten Stadtgebiet verteilt eigene Wetterstationen.
Der Einsatz selbst ist bis in die letzten Einzelheiten durchorganisiert. „Wir haben alle Straßen in vier Kategorien unterteilt“, erklärt Sauerzapf. Absolute Priorität haben Straßen der Kategorie 1. Darunter fallen vor allem Straßen, die gleichzeitig kurvig, steil und stark befahren sind. Der untere Teil der Schlossstraße vor dem Residenzschloss fällt beispielsweise in diese Kategorie. Für solche Strecken besitzen die TDL und damit die Stadt eine besondere Verantwortung. Die Straßen müssen auch aus Gründen der Haftung zuerst gestreut oder vom Schnee befreit werden.
In Kategorie 2 fallen alle Busspuren. Gerade bei schlechtem Wetter, wenn viele Leute ihr Auto stehen lassen, haben die öffentlichen Verkehrsmittel absoluten Vorrang.
Erst an dritter Stelle folgen wichtige Durchgangsstraßen und sogenannte Wohnsammelstraßen, die aus den Wohngebieten herausführen.
In die Kategorie 4 fallen die reinen Wohnstraßen. Sie werden allerdings nur bei lang anhaltendem Winterwetter geräumt und gestreut. Nicht zu vergessen: Auch die Anwohner haben eine Streupflicht (siehe Kasten).
Ein Volleinsatz im Stadtgebiet dauert etwa drei bis vier Stunden. Natürlich nur, wenn die Witterung es zulässt. Bei anhaltendem Schneefall kann der Einsatz auch den ganzen Tag über dauern. Zwischen 3 Uhr in der Früh und 21 Uhr ist die TDL verpflichtet, für die Straßensicherheit zu sorgen.
Trotz dieses großen Aufwands für den Winterdienst bleiben Beschwerden der Bürger nicht aus. Vor allem aus den Wohngebieten kommt häufig Kritik. Damit müssen die Mitarbeiter der TDL leben. „Wir machen sehr viel. Trotzdem schimpfen die Leute“, sagt Arnold Grundmann, der stellvertretende Einsatzleiter für den Winterdienst.
Jedes Jahr gibt es außerdem etwa 20 Beschwerden von Menschen, die auf dem Gehweg oder der Straße hinfallen und dafür den Räum- und Streudienst verantwortlich machen. Durchschnittlich fünf dieser Auseinandersetzungen enden vor Gericht. In den meisten Fällen sieht die Versicherung die Schuld aber bei den Leuten selbst.
Spätestens im April werden alle Geräte und Fahrzeuge, die für den Wintereinsatz benötigt werden, gereinigt und auf Vordermann gebracht. „Wir möchten die Lebensdauer so lange wie möglich erhalten“, sagt Grundmann. Dann wird alles in der großen Halle der TDL eingelagert. Und spätestens im November geht schon wieder alles von vorne los.