Es ist nie zu spät. Auch nicht, um noch ein Weihnachtsgeschenk zu stricken? „Ach was“, sagt Dorothea Wagner. „Einen Schal oder eine Mütze kriegt man mit dicker Wolle immer noch hin oder einen Kissenbezug mit Klettverschluss.“
Dorothea Wagner aus Eglosheim ist eine passionierte Strickerin. Gerade in der Winterzeit strickt sie besonders gern. „Wenn es draußen kalt ist, da macht es einfach Spaß, mit flauschiger Angora-Wolle oder fester Schurwolle zu arbeiten.“ Aber, mahnt die 62-Jährige, die hin und wieder Strick-Kurse an der Ludwigsburger Volkshochschule gibt: „Auch mit dicken Nadeln strickt es sich nicht von alleine. Man muss schon dranbleiben.“ Sie selbst arbeitet gerade an Herrensocken, einen am Tag schafft sie locker. Socken strickt sie sowieso am liebsten.
Dorothea Wagners Hobby ist wieder voll im Trend. Das Adjektiv handgestrickt ist nicht mehr abwertend gemeint. Im Gegenteil: Auch die jungen Leute hängen wieder voll an der Nadel. Beliebt sind dicke Schals, kunterbunte Mützen und natürlich: kuschelige Pullover. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Ob Norweger- oder Zopfmuster, Rippenoptik oder einfach glatt rechts, alles ist in Mode, Hauptsache, das gute Stück ist ganz individuell.
Das Strickfieber greift derzeit auch immer mehr um sich. Die Infizierten tauschen sich in Internetforen wie „Strickforum“ oder „Strickcafé“ aus.
„In London gibt es mittlerweile eine Strickschule, da kostet ein Kurs 150 Pfund“, berichtet Dorothea Wagner. Kann eigentlich jeder stricken lernen? „Eigentlich schon, allerdings je früher man beginnt, umso besser.“ Bei Männern hat die Strickexpertin allerdings so ihre Bedenken. Sie hatte mal einen in ihrem Kurs, „der hat die Nadel wie einen Bleistift gehalten.“ Dorothea Wagner selbst strickt seit ihrer Kindheit. Gelernt hat sie es von ihrer Mutter und Großmutter. „Das ist meistens so“, weiß sie aus Erfahrung. Anfänger sollten sich zunächst an einfache Stücke wagen. Ein Schal zum Beispiel könne ganz einfach mit linken und rechten Maschen hergestellt werden. Dabei bekomme man ein Gefühl für die hohe Kunst des Strickens. Vor allem sollten die Erwartungen am Anfang nicht zu hoch sein.
„Nadeln Sie bitte noch zweimal hin und her“, sagt Dorothea Wagner zu Gabriele Ricci, einer Teilnehmerin ihres Strickkreises, der sich bei ihr zu Hause trifft. Sehr zufrieden ist die Strick-Lehrerin mit Gabriele Ricci, weil sie besonders feste Randmaschen strickt.
Wie sie das macht, kann Gabriele Ricci nicht erklären. „Jeder hat da so seine Methode“, meint Gabriele Ricci und zählt ganz exakt Masche für Masche. Neben ihr liegt ein Heft, in dem sie notiert, wie viele Maschen sie aufgenommen hat. „Da muss man ganz genau sein, sonst wird es nichts.“