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10. Dezember 2009 | Drucken | Versenden
KREIS LUDWIGSBURG

Wo Kälte und Schnee den Umsatz anheizen

Ludwigsburg – Für Skiregionen in den Alpen oder dem Hochschwarzwald ist der Winter eine wesentliche Existenzgrundlage. Das kann und muss der Landkreis Ludwigsburg zwar von sich nicht behaupten, doch auch hier leben manche Unternehmen und Branchen von der kalten Jahreszeit, zumindest teilweise.

Musterbeispiel war über Jahrzehnte die Holmenkol AG aus dem Ditzinger Stadtteil Heimerdingen. Bis zur Jahrtausendwende lebten Skiwachshersteller praktisch ausschließlich vom Wintersportgeschäft. Inzwischen setzt Holmenkol sein Know-how aber auch in anderen Sport-Bereichen ein und entwickelt Beschichtungen und Pflegemittel für Radsport, Wassersport und Sporttextilien. Derzeit sei der Wintersport noch größter Geschäftsbereich, sagt Marketing-Chef Stefan Leonhardt. „Doch die anderen Bereiche wachsen sehr stark und werden in naher Zukunft gleich ziehen.“
Familie Greiner bringt der Winter seit über 40 Jahren ein Zubrot, doch leben könnten sie von ihm nicht. Die Greiners betreiben den Skilift am Juxkopf bei Spiegelberg im Rems-Murr-Kreis, einem beliebten Winterausflugsziel für Familien aus dem Kreis Ludwigsburg. „In den letzten Jahren war der Lift im Schnitt zehn bis zwölf Tage in Betrieb“, erzählt Eugen Greiner. Da habe man einige Winter draufgelegt und nichts verdient. Der Rentner ist aber optimistisch, dass wieder „richtige Winter kommen“. Der Lift werde deshalb auf jeden Fall von der Familie weiterbetrieben.
Auch andere lassen sich den Winter etwas kosten, statt von ihm zu leben, so die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim (SWLB) und die Stadt Bietigheim-Bissingen. Sie betreiben die beiden Eishallen im Kreis. Die SWLB schießen beispielsweise nach eigenen Angaben pro Jahr zwischen 50 000 und 100 000 Euro zum Betrieb der Kunsteisbahn zu. Das freut nicht nur die rund 50 000 – überwiegend jugendlichen – Besucher, sondern auch das Personal. Zwei fest angestellte Mitarbeiter können so ganzjährig vom Winter leben und 18 Saisonkräfte als geringfügig Beschäftigte etwas dazuverdienen.
Während den Eishallen der Klimawandel egal sein kann, ist er im Sportfachhandel sehr wohl ein Thema. Das Wintergeschäft sei in den vergangenen Jahren etwas rückläufig, sagt Frank Gauder, Chef des Intersport-Profimarktes Bietigheim-Bissingen. Seine Erklärung: „Der gefühlte Winter ist nicht mehr so da.“ Das führe dazu, dass sich die Leute weniger und vor allem später als früher für Wintersportausrüstungen interessieren. Das Skigeschäft habe sich vom Oktober in den Dezember verlagert.
Während Gauder als Ausgleich stärker auf Ganzjahressportarten wie Laufen setzt, hat sein Kollege Markus Dolch eine Nische besetzt.
Der Inhaber von Sport-Doni in Sachsenheim bietet beispielsweise orthopädische Skistiefel, die exakt den Bedürfnissen des Kunden angepasst werden.
Damit und mit der Konzentration auf die Spezialisten unter den Skifahrern als Kunden, habe er bislang „keine Einbußen im Wintergeschäft hinnehmen müssen“. Das mache bei ihm mit 60 Prozent, nach wie vor den größten Teil des Umsatzes aus.
Auch große Firmen, wie die Südwestdeutsche Salzwerke (SWS) AG in Heilbronn) verdienen an der kalten Jahreszeit. Der Konzern mit rund 1000 Beschäftigten macht nach Angaben von Hans-Joachim Voss, Geschäftsführer der SWS-Tochter Südsalz, rund ein Viertel seines Umsatzes mit Auftausalz. 2007 hat der Konzern seine Winterdienstaktivitäten in einer eigenen Gesellschaft gebündelt, dem jüngsten Spross des Firmenverbundes.
Doch nicht nur der Salzproduzent braucht Eis und Schnee, damit der Winter den Umsatz ankurbelt, sondern auch die, die die Produkte einsetzen. Neben Hausmeisterservice-Firmen sind das teilweise auch Landschaftsgärtner, die mit Winterdienst die auftragsarme Zeit überbrücken. Und auch die Fitness- und Wellnessbranche profitiert vom Winter. Derzeit ist der Zulauf in Studios und Saunen viel größer als im Sommer. Und das sogar, wenn es bloß regnet.

Jürgen Schmidt
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