Was fordern die Bürger für die Zukunft ihrer Stadt? Diese Frage wurde am Wochenende ausführlich auf der dritten Zukunftskonferenz diskutiert. Mit der Veranstaltung möchte die Stadtverwaltung auf Tuchfühlung mit den Bürgern bleiben.
Die Luft im Großen Saal des Kulturzentrums ist stickig. Man riecht es förmlich – all die Diskussionen, Gedanken und Vorschläge, die hier in den vergangenen beiden Tagen geführt und gemacht wurden. Vorne, vor dem Plenum, steht Oberbürgermeister Werner Spec und dankt in seinem Schlusswort allen Beteiligten. Vor ihm sitzen im Halbkreis 120 Bürger, Stadträte und Mitarbeiter der Verwaltung. Dann ist die dritte Zukunftskonferenz vorbei. Zwei Tage lang haben sich hier alle die Köpfe darüber zerbrochen, wie die Stadt sich weiterentwickeln soll.
Und was bleibt? Welche Vorschläge wurden hier gemacht? „Jugendliche brauchen mehr Mitspracherecht“, sagt die Schülerin Laura Kotzur nach der Veranstaltung. Laura könnte sich beispielsweise einen Jugendgemeinderat vorstellen. Und mehr Treffpunkte für junge Leute. Auch eine Anlaufstelle für Jugendliche zur Berufs- und Familienberatung fehlt ihrer Meinung nach. Insgesamt, so ihr Fazit, sollten die Erwachsenen einen Schritt auf die Jüngeren zugehen, und ihnen bei ihren Forderungen helfen.
Erst habe er sich auf der Konferenz verloren gefühlt, sagt Dorian Hendlmeier. Auch er ist Schüler und er ist der Meinung, dass zu wenige Jugendliche dabei waren. Trotzdem: Er ist zufrieden mit der Veranstaltung.
Mitdiskutiert hat auch Herbert Babel. Er ist Rentner und im Vergleich zu vielen anderen Teilnehmern war er bei der ersten und zweiten Zukunftskonferenz in den Jahren 2004 und 2006 nicht dabei. „Es ist ermutigend sich mit anderen Bürgern auszutauschen und einige Themen mit der Verwaltung zu diskutieren“, sagt er.
Insgesamt wurde bei der Zukunftskonferenz in 14 Arbeitsgruppen diskutiert. Darunter über die Themen Arbeit, Älterwerden, Sport oder Stadtgestaltung. Aber auch über Studierende in Ludwigsburg, umweltfreundliche Mobilität oder die Stadtteile wurde gesprochen.
Neben der Vielzahl von Anregungen und Vorschlägen, die in den kommenden Wochen erst einmal sortiert und ausgewertet werden müssen, kann OB Werner Spec direkt nach der Veranstaltung schon einige konkrete Ideen vorstellen. So gibt es beispielsweise den Vorschlag, bedürftigen Bürgern bei der Suche nach einem Schrebergarten zu helfen. Die Produktion eigener Nahrungsmittel sei für die Würde des Einzelnen manchmal besser geeignet, als finanzielle Unterstützung. Ein anderer Vorschlag ziele darauf ab, vermögende Bürger stärker bei der Förderung des Gemeinwohls einzubinden, so Spec.
Eine weitere Idee trägt den fast schon poetischen Namen „Anwälte der Zukunft“. In dieser Gruppe, die über die Konferenz hinaus weitergeführt werden soll, versuchen sich Bürger in die jungen und die noch gar nicht geborenen Bürger der Stadt hineinzuversetzen. Ziel dabei ist vorauszusehen, in was für einer Stadt die Menschen der Zukunft leben möchten, sagt Albert Geiger, Leiter des Referats für nachhaltige Stadtentwicklung.
Und, Ludwigsburg müsse auch sein Gesicht als Hochschulstandort aufpolieren. „Die Stadt hat noch keine Ausstrahlung als Studentenstadt“, so Geiger weiter.
Kritik an der Veranstaltung gibt es natürlich auch. Bei 120 Teilnehmern lässt sich das kaum vermeiden. Die Verwaltung hat für Kritik eigens eine Tafel im Kulturzentrum aufgestellt. Beim Gehen können die Teilnehmer ihren Kommentar abgeben. „Zu wenig Zeit für die Diskussionen“ steht gleich mehrmals drauf. Oder: „Hier sind die Etablierten unter sich.“ Dass man es nie allen Recht machen kann, zeigt ein anderer Kritikpunkt: „Die Einmischung des OB’s war überflüssig.“