Zum Sonntag
23. Januar 2010 | Drucken | Versenden

Zum Sonntag – 23. Januar 2010

Der Mensch kann nicht zu neuen Ufern aufbrechen, wenn er nicht den Mut aufbringt, die alten zu verlassen.“
Dieses Zitat des französischen Schriftstellers André Gide spricht vom Aufbrechen, viel mehr aber noch vom Loslassen. Vor dem Aufbrechen steht das Loslassen. Das ist eine Fähigkeit, die die wenigsten Menschen beherrschen.
Wir halten gerne fest: Wir fixieren uns auf nichterfüllte Wünsche, auf unseren Partner, auf die Dinge, die wir noch zu erledigen haben. Dabei lösen wir die Dinge nicht, wenn wir uns wie ein Terrier darin verbeißen. Ganz im Gegenteil: Verbissenheit nimmt uns die Möglichkeit, offen für andere, für möglicherweise konstruktivere Lösungsmöglichkeiten, Perspektiven oder Horizonte zu sein.
„Im Loslassen liegt die Weisheit der Unsicherheit. In der Weisheit der Unsicherheit liegt die Befreiung von unserer Vergangenheit, vom Bekannten, dem Gefängnis aller vorangegangenen Konditionierungen. Aber auch in unserer Bereitschaft, ins Unbekannte zu treten, ins Feld aller Möglichkeiten.“
Loslassen eröffnet neue Lösungsmöglichkeiten. Hat man seine Verbissenheit abgelegt und losgelassen, eröffnen sich plötzlich völlig neue Möglichkeiten, die man vorher aufgrund seiner beschränkten Sicht gar nicht wahrgenommen hat.
Auch andere Menschen und Besitz muss man loslassen lernen. Nichts und niemandem gehört etwas für immer. Alles, was uns auf unserem Lebensweg begleitet, ist uns nur vorübergehend geschenkt. Krampfhaftes Festhalten ist die sicherste Methode, etwas oder jemanden zu verlieren.
„Wenn du etwas liebst, lass es frei.
Kommt es zu dir zurück, gehört es zu dir.
Wenn nicht, hat es nie zu dir gehört!“

Ursula Kaiser
Pastoralreferentin Katholische Kirchengemeinde Heilig Geist
Markgröningen-Unterriexingen