Zu wenig Streusalz auf Lager – das drohten die Schlagzeilen. Gefahr für die freie Fahrt freier Bürger, die zu jeder Zeit das Recht in Anspruch nehmen, sich so schnell als möglich bewegen zu dürfen. Was für ein Alptraum, in einer rasanten Gesellschaft vorsichtig und langsam werden zu müssen. Wie ging das noch – langsam tun, schauen, ob der Andere schon sicher weiter ist, bevor ich auf die Hupe drücke? Neue Lernerfahrungen sind angesagt.
Es bleibt ein Horrorszenario. Wir haben es geschafft. Ein Lob den Technischen Diensten. Ein Dankeschön für dich, Winter, dass du uns an die Tugenden der Rücksichtnahme und Aufmerksamkeit erinnerst. Danke – es tut gut, einen Gang zurückschalten zu dürfen, ganz legal langsamer gehen und fahren zu dürfen, nicht stressig-pünktlich sein zu müssen. Es liegt ja nicht an meinem Leistungsvermögen, sondern am Winter. Seine Motivation und sein Management haben sich noch nicht einkaufen lassen von unseren Leistungszielen.
Danke, Winter, für dieses Beispiel an Besinnung auf die eigenen Ressourcen. Und wenn das Streusalz dann doch knapp würde, wir würden das auch noch schaffen. Wir würden uns darauf besinnen, dass wir selber Salz sind und einander den Weg frei machen. Vielleicht hätten unsere Worte auftauende Wirkung, wenn sie anböten, dass man ja einen Einkauf mitbringen oder einen Botengang miterledigen könne. Man würde sich gar noch unterhaken und aufeinander achten, dass wir nicht fallen. Was wäre alles möglich, wenn wir selber Salz sein müssten. Schade, das Streusalz wird nicht ausgehen. Der Winter lässt sich nicht zwingen, nur damit wir uns an unsere menschlichen Ressourcen erinnern.
Pfarrer Roland Knäbler,
Katholische Kirchengemeinde ‚Zur Heiligsten Dreieinigkeit‘, Ludwigsburg.