Heftige Stürme toben durchs Land. Orkantief Xynthia hat schwere Schäden hinterlassen. Der politische Sturm, der am Sozialstaat rüttelt, hat an Heftigkeit nicht verloren. Böen fegen über die schwächeren Bürger unserer Gesellschaft, so dass manche ihren Halt verlieren.
Man stelle sich vor: Gott würde sich persönlich in die Sozialdebatte einbringen mit einem schlichten, aber ernst gemeinten Zitat aus dem Propheten Jesaja: „Ihr habt Durst? Kommt her, hier gibt es Wasser! Auch wer kein Geld hat, kann kommen. Nehmt euch Brot und esst! Hier gibt es Wein und Milch. Bedient euch, es kostet nichts! Hört doch auf mich, und tut, was ich sage, dann bekommt ihr genug! Ihr dürft köstliche Speisen genießen und euch satt essen.“ Riefe Gott damit zur spätrömischen Dekadenz auf? Köstliche Speisen umsonst für Habenichtse? Wer soll denn das bezahlen? Das können wir uns nicht leisten? Nur wer etwas leistet, soll das Leben genießen können.
Doch diese Philosophie hat Gott noch nie geteilt. Die Fülle des Gartens Eden stiftete er als Vorgabe, um mit Lust ins Leben greifen zu können. In gleicher Weise startet so das Leben eines jeden Menschen. Nach der Geburt erhielten wir alles umsonst, obwohl wir nichts geleistet haben. Und nichts müssen wir zahlen für Liebe, für Zuwendung, Vertrauen, Hoffnung, für Träume und Kreativität, alles erhalten wir umsonst. Gott motiviert mit Güte, Großzügigkeit und Zuwendung. Man könnte den Gedanken mal durchspielen: Was motiviert einen Menschen mehr: die Erfahrung von Güte und Großzügigkeit? Oder die Erfahrung von Leistungsdruck, Missgunst und kleinlicher Denkart? Auch in einem „christlichen Abendland“ kann man noch eine Menge von Gott lernen.
Pfarrer Georg Schützler
Friedenskirche Ludwigsburg