LUDWIGSBURG | 11. März 2009

„Auch die Männer tragen Make-up“

Ihr Handwerkszeug sind Pinsel und Schwämmchen. Damit verleiht Melanie Glawon den Schauspielern der ARD-Serie
„Eine für alle“ ein perfektes Aussehen. Und wenn es die Rolle vorschreibt, macht sie auch mal aus einer charmanten Blonden eine fiese Brünette.

Bild: Alfred Drossel

Schauspielerin Niki Greb kam mit blonden Haaren nach Ludwigsburg. Für die ARD-Serie „Eine für alle“ verwandelt sie sich allerdings in Charlotte von Birnau, rechte Hand des Finanzhais Wetzmann, der ein mittelständisches Unternehmen liquidieren will. Ein Gutmensch-Aussehen passt da nicht. Viel mehr das einer toughen Geschäftsfrau, die einem ohne mit der Wimper zu zucken die Kündigung überreicht. „Es ist einfach so: Dunkle Haare passen besser zu Bösewichten“, sagt Chef-Maskenbildnerin Melanie Glawon. Dann noch ein passendes Make-Up: Dunkle Augen, strenge Linien – dies alles gehört zur Zicken-Visage.
Kein Wunder, dass Melanie Glawon zu einer ganz anderen Farbpalette greift, wenn sie Hauptdarstellerin Katharina Schubert schminkt. Sie ist die Heldin der Serie, setzt sich für ihre Familie, ihre Freunde ein. „Heller Lipgloss, strahlende Augen“, sind da laut Glawon das A und O. Und klar – Katharina Schubert ist blond.
Eine Stunde lang braucht Melanie Glawon, bis die Schauspielerinnen fertig für die Kamera sind. Haare werden geföhnt, eingedreht, geflochten. Die Maskenbildnerinnen wirbeln mit ihren Pinselchen umher. Da ein bisschen Rouge, dort etwas Lidschatten und meist auch etwas Abdeckcreme. Auch Schauspielerinnen haben mal unreine Haut oder Ringe unter den Augen.
Bei den Männer geht alles ein bisschen schneller. Nach 15 Minuten marschieren diese in der Regel wieder fix und fertig aus der Maske. „Ein bisschen Make-Up und Wimperntusche, etwas Gel in die Haare – mehr braucht’s da oft nicht“, sagt Melanie Glawon. Um dieses Basis-Programm kommt allerdings keiner drumrum. Selbst, wenn Katharina Schubert mit Thorsten Nindel im Schlafanzug vor der Kamera steht, tragen sie ein dezentes Make-Up. Einfach, weil’s im grellen Scheinwerferlicht besser aussieht.
Melanie Glawon steht an der Spitze der fünfköpfigen Truppe der Maskenbildnerinnen am ARD-Set. 24 Jahre ist sie jung, hat sowohl eine Maskenbildner- als auch eine Friseurschule besucht. Sie weiß nicht nur, wie man Bösewichte schminkt, sondern auch eine täuschend echte Wunde.
Bevor sie nach Ludwigsburg kam, schminkte sie so manch anderen Serienstar: Sie war am Set vom „Marienhof“(ARD) angestellt, machte auch mal ein Praktikum bei „Unter uns“ (RTL).
Sie und ihre Kolleginnen sind mit die Ersten, die morgens im Studio in der Weststadt einlaufen. Und mit die Letzten, die abends gehen. Denn die Maskenbildnerinnen achten darauf, dass sich die Schauspieler ordentlich abschminken. Und verwöhnen die Haut auch mal mit einem Peeling oder einer Maske. Zwischendurch zücken die fünf Mädels zudem regelmäßig die Friseur-Schere: „Wir schneiden selbst“, erzählt Melanie Glawon. Nur so sei es garantiert, dass die Schauspieler über Monate hinweg die exakt gleiche Frisur tragen.
Wie so viele aus dem 130-köpfigen Team, das die Serie produziert, ist auch Melanie Glawon mittlerweile kein Pendler mehr: Sie ist vor kurzem nach Neckargröningen gezogen. Doch an den Wochenenden, da setzt sie sich ins Auto – und flitzt ins heimische Durmersheim bei Karlsruhe.
LKZ-Serie: Bis zum Sendestart von „Eine für alle“ erklärt die LKZ in einer losen Reihe, wie die ARD-Serie in der Weststadt entsteht. Bislang erschienen: Interview mit dem Produzenten Dirk Eisfeld.

Katja Sommer
Weitere Artikel aus diesem Ressort
Anzeige
Anzeige
UMFRAGE
Kanzlerkandidaten

In der SPD tobt die Debatte über den Kanzlerkandidaten. Wer sollte aus Ihrer Sicht Amtsinhaberin Angela Merkel herausfordern?

UMFRAGE
Smartphones

Sollen Smartphones in Schulen verboten werden?

Zeitschriftenvorteil