KREIS LUDWIGSBURG | 29. August 2008

„Bei 45 Mitarbeitern sind das dann 45 Küchenchefs“

Ludwigsburg – Kochen in der Mikrowelle. Diese Verpflegungsvariante ist angesagt in der Cafeteria der User Interface Design GmbH, kurz UID. Dort gibt es zwar eine Küche. Die hat aber keinen Herd. Deswegen machen die Mitarbeiter aus der Not eine Tugend.

Bilder: Alfred Drossel

„Sie glauben gar nicht, was man in einer Mikrowelle alles kochen kann“, sagt Hildegard Hopf, Personalreferentin bei dem IT-Anbieter, und zählt auf: „Tomaten mit Mozzarella überbacken, sehr gut eignen sich Milchreis oder Nudeln, die in einer Schüssel mit Wasser so lange erhitzt werden bis sie bissfest sind.“ Gut, die Pastasoßen sind vorgekocht von zu Hause mitgebracht oder gekauft und müssen nur noch warm gemacht werden. Ab und zu erkläre sich einer der Kollegen bereit, für alle was zu kochen, sagt Hildegard Hopf: „Bei 45 Mitarbeitern sind das dann 45 Küchenchefs.“
Bei ihr stehen „Pellkartoffeln mit Lachs und Quark“ auf dem Speiseplan. Nicht aufwendig, bekömmlich und lecker. Schnittlauch und geschnittene Zwiebeln werden unter den Quark gerührt. Im Sekundentakt kommen die Kartoffeln in eine der drei Mikrowellen. Stimmengewirr erfüllt den Raum, der mit einem blauen Boden ausgelegt ist. Rote, gelbe und blaue Stühle, um je zwei runde und eckige Tische gestellt, bilden Farbtupfer. Die Plätze sind schnell belegt, denn um die Mittagszeit strömen die Software- und IT-Fachleute, Designer, Informatiker und Auszubildenden in die 44 Quadratmeter große Cafeteria. Der Andrang ist groß.
Warum es denn in der sonst voll ausgestatteten Küche keinen Herd gebe? „Reine Erfahrungssache“, sagt Hildegard Hopf. Am vorherigen Standort in der Teinacher Straße habe einer gestanden. Manche hätten ihn mehr, manche weniger sauber hinterlassen. „Ein stetiger Zankapfel“, ergänzt sie. Deswegen gebe es gar keinen mehr, dafür aber drei Mikrowellengeräte. „Aber wir arbeiten daran, dass wieder ein Herd angeschafft wird. Denn ich kenne meine Pappenheimer.“
An einer Cafeteriawand hängen Fotocollagen. Die eine zeigt Aufnahmen von einem „Kochduell“ der UID-Mitarbeiter. „Essen hat bei uns einen hohen Stellenwert“, meint Geschäftsführer Franz Koller. Es gehe darüber hinaus um den kommunikativen Aspekt. „In unserer Cafeteria machen die Mitarbeiter Pause von der Arbeit“, sagt Koller. Dem kann Creative Director Bernd Wiesenauer nur zustimmen. „Das Kochen selbst ist nicht so mein Ding. Ich wäre auch hierbei so kreativ, dass das anschließend niemand mehr essen würde.“
Die über die ganze Raumlänge gehende Fensterfront gibt den Blick auf das Bleyle-Areal und das Gebäude BL 1 frei. Im In- nenhof sitzen Leute beim Chinesen. Deren Kochkünste – vom Affenhirn bis zu Seepferdchen – konnte UID-Mitarbeiterin Lisa Wenzel probieren. Sie war ein Vierteljahr „halb beruflich, halb privat“ im Land der Mitte. „Entgegen aller landläufigen Meinungen, gibt es dort im Supermarkt alles zu kaufen“, erzählt sie. Dennoch habe sie momentan einen enormen Nachholbedarf am „Geschmack europäischer Gerichte“. „Ich kann vom Essen gar nicht genug kriegen“, gibt Lisa Wenzel offen zu.

Britta Slusar
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