GROSSBOTTWAR | 23. September 2008

„Den Alltag selbst organisieren“

Demenz ist eine große Herausforderung für die Pflegeheime. Die Gesellschaft altert, also gibt es auch immer mehr Menschen mit demenziellen Erkrankungen. Im neuen Pflegeheim „Haus im Bottwartal“ des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) will man diese Aufgabe bewältigen, indem man sogenannte Hausgemeinschaften anbietet.

Bild: Alfred Drossel

„Wenn ein alter Mensch pflegebedürftig wird und in ein Pflegeheim muss, soll er seine Lebensgewohnheiten nicht total umstellen müssen“, beschreibt Mark Hammer, Geschäftsführer des ASB-Kreisverbands Ludwigsburg, das Konzept der Hausgemeinschaften. „Die Senioren sollen möglichst so weiterleben wie bisher in ihren Familien.“
In das Haus wurden neben 40 Plätzen in der Pflegeabteilung zwei Hausgemeinschaften integriert, eine mit zwölf, die andere mit acht Einzelzimmern. Beide verfügen über einen Gemeinschaftsraum mit Küche. Die Zimmer sind in einem abgetrennten Bereich um diesen Treffpunkt herum angeordnet.
„Die Anzahl der Bewohner mit Demenz steigt an“, weiß Hammer. „Ziel ist es, dass die Menschen ihr Leben möglichst selbstständig organisieren.“ Die Beschäftigung soll vor allem über Alltagstätigkeiten erfolgen. Unterstützt werden die Bewohner von sogenannten Präsenzkräften – in der Regel hauswirtschaftliche Kräfte, die ständig vor Ort sind. Zusätzliche Fachkräfte sind für die Pflege verantwortlich.
An einem Herd können die Bewohner selbst kochen. „Morgens können die Senioren einen Speiseplan aufstellen. Wenn sie mal keine Lust zum Kochen haben, werden in der Zentralküche die Essen zubereitet“, sagt Hammer.
Menschen mit Demenz wollen sich vor allem sicher fühlen, weiß Haus- und Pflegedienstleiterin Martina Schaupp. Dieses Gefühl wollen die Pflegekräfte stärken, indem sie die Fähigkeiten der Bewohner fördern und wieder aktivieren, wo sie verloren gegangen sind. Das gelinge am besten durch einen gleichmäßigen, geregelten Tagesablauf. „Wenn jemand den ganzen Tag nur rumsitzt, ist die Gefahr groß, dass sich die Demenz verstärkt“, so die Pflegedienstleiterin. Im Haus im Bottwartal habe man aber keine geschlossenen Abteilungen, betont sie.
Das Haus an der Bottwar wurde am 1. Juli eröffnet. Das Pflegeheim liegt mitten in der Großbottwarer Altstadt. Fußgängerzone und Bushaltestelle sind direkt vor der Tür. Aus dem Obergeschoss öffnet sich der Blick auf den Ortskern mit Rathaus und Kirchturm. Die Lage wurde bewusst gewählt: „Wer will schon in ein Pflegeheim nach Stuttgart ziehen, da kommt ja kein Besuch“, beschreibt Schaupp die Vorteile der wohnortnahen Versorgung.
Info: Im „Haus im Bottwartal“ findet am Freitag, 10. Oktober, von 14 Uhr an ein Tag der offenen Tür.

Frank Klein
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