DITZINGEN | 25. September 2008

„Die Seniorenarbeit wird ernst genommen“

Leicht abnehmen wird die Bevölkerungszahl im Ort nach Hochrechnungen des Statistischen Landesamtes. Außerdem steigt die Anzahl der über 65-Jährigen um knapp fünf Prozent auf 23,4 Prozent. „Wir passen unser Angebot den Veränderungen an“, versichert Oberbürgermeister Michael Makurath.

Eine der Anpassungen wird deshalb sein, die Grundschulen auf lange Sicht vermutlich an einem Standort zusammenzuführen, meint Oberbürgermeister Makurath. Zwar bestünden noch keine konkreten Pläne, aber eine Standortplanung werde trotzdem derzeit schon ausgearbeitet.
Ein Versuch, um gegen den Geburtenrückgang in der Kommune anzukämpfen, ist das zum 1. Januar 2009 startende Förderprogramm für junge Familien, die ein Grundstück kaufen wollen. „Mit Subventionen wollen wir Familien und die Ansiedlung Ditzingens fördern“, sagt das Stadtoberhaupt. Trotzdem müsse darüber nachgedacht werden, ob in Zukunft Schulen zusammengeführt werden müssen, so Stadtrat Michael Kutschera von den Freien Wählern.
Dass Familien in Ditzingen eine ausreichende Kinderbetreuung vorfinden, davon ist FDP-Stadtrat Horst Ludewig überzeugt. Um allerdings auf die steigende Zahl von Senioren vorbereitet zu sein, „gibt es bestimmt noch einiges zu tun“, fügt er hinzu. Die Leute werden immer älter und dadurch gibt es immer mehr Demenzkranke – „woran ich als Allgemeinarzt wohl auch nicht ganz unbeteiligt bin“, fügt er schmunzelnd hinzu.
Begeistert ist Ludewig von der Informations-, Anlauf- und Vermittlungsstelle (IAV) für ältere Menschen, die für die Koordination und Beratung von sozialen Diensten verantwortlich ist. Leiter der Einrichtung ist Ulrich Kern. In Zusammenarbeit mit der Stadt hat er vor etwa einem Jahr einen Betreuungsnachmittag für Demenzkranke eingerichtet, von Oktober an wird zusätzlich eine stundenweise Betreuung zu Hause angeboten.
Anfang der Neunziger wurde die IAV in mehreren Kommunen zur Ergänzung zur Sozialstationen eingerichtet, was auch vom Land gefordert wurde. Nach der Einstellung der Landesförderung hat sich die Stadt allerdings dazu entschieden, diese Einrichtung weiter zu betreiben. „Da sieht man mal, wie ernst die Seniorenarbeit in Ditzingen genommen wird“, so Kern.
Zwei Pflegeheime gibt es außerdem in Ditzingen, weiter ausbauen will der Oberbürgermeister nun aber vor allem die betreuten Wohnungen. Konkrete Pläne liegen demnach schon für das Pflegeheim Haus Guldenhof vor, aber auch im Haus Friederike sollen bauliche Veränderungen anstehen.
Ein Thema wird nach Meinung des CDU-Stadtratmitglieds Konrad Epple in Zukunft immer wichtiger: Bei Renovierungen von öffentlichen Einrichtungen sollen diese zusätzlich multifunktional umgebaut werden, damit Senioren keinerlei Probleme bei der Erreichbarkeit von Räumen haben.
„Wir sind zum Thema Seniorenarbeit gut aufgestellt“, ist sich der Oberbürgermeister sicher.
So gibt es zum Beispiel den Seniorentreff Adler am Laien, der viermal wöchentlich geöffnet hat. Leiterin Evelyn Böhmler sieht sich aber mit der Entwicklung konfrontiert, dass sich Senioren heutzutage deutlich länger jung fühlen als noch vor einigen Jahren. „Die unternehmen heute andere Dinge.“ Diese Tatsache beschäftigt auch Maria Grill vom katholischen Altenclub St. Maria. Deshalb kommt sie zu dem Schluss, dass inzwischen fast zu viele Angebote für Senioren bestehen: „Es ist jetzt ja schon so, dass sich die verschiedenen Institutionen Termine gegenseitig belegen“.
Auch Gerlinde Noha, Leiterin des Seniorentreffs Hirschlanden, ist zufrieden mit dem Ditzinger Angebot. „Wenn dann aber jemand kommt und meint, er sei für einen Seniorentreff mit 70 Jahren noch zu jung, dann weiß ich nicht, was derjenige sich unter dem Begriff Senioren vorstellt“, meint Noha.
Klaus Flaskamp, Vorsitzender des VdK-Sozialverbandes, ist da allerdings anderer Meinung. Als Reaktion auf die steigenden Seniorenzahlen will er nämlich das Programm in Zukunft noch weiter ausbauen.
Um Angebote auch wahrnehmen zu können, muss der Nahverkehr ebenfalls seniorengerecht ausgerichtet sein. Mehr als zufrieden zeigt sich OB Makurath mit der aktuellen Situation: „Der Stadtbus wird gut genutzt“. Aber auch wohnortnahe Einkaufsmöglichkeiten werden seiner Meinung nach für die Ditzinger Senioren geboten. Anders sieht das Horst Ludewig: Zwar werde mit dem Bau des Netto-Marktes in Heimerdingen der dortige Engpass bald beseitigt, „aber generell haben ältere Menschen in den Ditzinger Ortsteilen große Schwierigkeiten beim eigenständigen Einkaufen“. Trotzdem sieht er positiv in die Zukunft: „langsam verbessert sich was“.

Ina Allenhöfer
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