BIETIGHEIM-BISSINGEN | 30. September 2008

„Eine der kinderfreundlichsten Städte“

Bevölkerungszahlen sollen laut Hochrechnungen des Statistischen Landesamtes zurückgehen und das Durchschnittsalter steigt von 42,1 auf 46,9 Jahre – die demografische Entwicklung verschont auch Bietigheim-Bissingen und seine 42 000 Einwohner nicht. Allerdings sieht sich die Kommune bereits gut für die Zukunft gerüstet.

Einiges zu bieten hat die Stadt für junge Familien: Neben Subventionen beim Grundstückkauf wurde Anfang des Jahres auch das Kinderhaus Mikado eingeweiht, wo Kinder von null bis zwölf Jahren ganztags betreut werden. „Wir sind auf dem richtigen Weg“, ist sich deshalb SPD-Fraktionsvorsitzender Volker Müller sicher. Dem fügt er noch hinzu: „Ich glaube, dass wir eine der kinderfreundlichsten Städte im Kreis und deshalb auch für die zukünftigen Entwicklungen gewappnet sind.“
Aber auch für die Älteren wird einiges geboten: Erst vor wenigen Wochen wurde ein neues Seniorenheim fertiggestellt, und es gibt auch viele kulturelle Angebote für Ältere. Das ist auch nötig, denn bis 2025 soll die Zahl der über 65-Jährigen laut Statistischem Landesamt nämlich um 6,1 auf 25,8 Prozent ansteigen. Gleichzeitig bleiben die Einwohnerzahlen aber relativ konstant
Neben kulturellen Angeboten soll in Zukunft aber auch ein anderer Aspekt stärker berücksichtig werden: „Schon seit mehreren Jahren kümmern wir uns um die Barrierefreiheit in der Stadt“, meint Oberbürgermeister Jürgen Kessing. Zusätzlich sei man mit Zustelldiensten von Supermärkten bereits sehr aktiv in der Seniorenarbeit.
Ein anderes Beispiel ist der Verein Aktive Senioren, der im Enzpavillon einen Treffpunkt für ältere Menschen eingerichtet hat. Viermal wöchentlich hat dieser geöffnet. Auch der sogenannte „Treff im Eck“ dient dem Austausch kultureller Themen und dem gegenseitigen Kennenlernen.
Die Seniorenarbeit beim DRK-Ortsverein findet hingegen kaum statt: „Uns fehlen einfach die Freiwilligen“, so Silvia Hornbacher, Leiterin des Ortvereins. Und da die Zahl der Ehrenamtlichen sogar weiter im Abwärtstrend sei, geht sie derzeit nicht davon aus, dass sie das Angebot in nächster Zeit ausweiten kann.
„Wir wollen in Zukunft stärker auf Bildung, aber auch auf generationenübergreifende Projekte setzen“, meint Roland Hellmann, Vorsitzender der Aktiven Senioren. Völlig zufrieden sei er noch nicht mit der Situation in der Stadt. „Da muss noch einiges gemacht werden, damit die Stadt seniorenfreundlicher wird“. Als Beispiele nennt er Shuttle-Busse bei Veranstaltungen oder seniorengerechte Supermärkte. „Die Schweiz und Österreich sind da Vorreiter“, ist Hellmann der Meinung.
Hellauf begeistert ist er aber von der Bildungswerkstatt und der Seniorenakademie, die von der Volkshochschule veranstaltet werden. Dort wird älteren Menschen ein Bildungs-Programm geboten, um auch im Alter weiterhin geistig fit zu bleiben. „Solche Angebote müssten ausgebaut werden“, so Hellmann.
Dass der demografische Wandel die Kirchenarbeit verändern wird, das merkt auch der evangelische Pfarrer Ralf Drescher: „Wir stehen vor einer seelsorgerischen Herausforderung.“ Da die Menschen immer länger leben und auch immer älter werden, müssen auch die Kirchen ihre Arbeit zukünftig verändern. Eine Reaktion auf diese Entwicklung sei deshalb auch die Einrichtung einer Teildiakoniestelle. „Die beschäftigt sich ausschließlich mit dem zukünftigen Angebot für Senioren“, so Drescher.
Ein privat initiiertes Angebot wäre zum Beispiel das Mehrgenerationenhaus gewesen, das dann aber mangels Interesse vor einiger Zeit wieder gescheitert ist. „Das wäre was, womit wir uns gut auf die Entwicklungen eingestellt hätten“, meint Steffen Merkle, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler. Auch sei das Thema Senioren-Wohngemeinschaften ein wichtiger Punkt.
Für ihn ist es beim Thema Seniorenangeboten aber fast schon zuviel des Guten: „Wir haben viele Angebote – fast schon zu viele. Da müsste dann mehr für Jugendliche geboten werden.“
Die sollen aber laut Statistischem Landesamt auch in Bietigheim-Bissingen bis 2025 immer weniger werden. „Deshalb bauen wir schon seit Jahren die Kindergärten in Verbindung mit Wohnungen, um diese in Zukunft ohne Probleme in komplette Wohnhäuser umwandeln zu können“, so SPD-Mann Müller. Bisher ist die Nachfrage bei der Kinderbetreuung aber noch größer als das Angebot: Deutlich mehr Anmeldungen als erwartet wurden im Kinderhaus Mikado eingereicht, was die Stadt darüber nachdenken lässt, weitere Ganztagsbetreuungsmöglichkeiten einzurichten. Eine größere Resonanz gibt es überraschenderweise auch beim TSV Bietigheim: so stellte auch Günter Krähling, Vorsitzender des TSV, fest, dass es in jüngster Zeit einen Zuwachs im Kinderturnen gab. In den Schulen werde man sich wohl in den nächsten Jahren komplett auf Ganztagsbetreuung umstellen, so Oberbürgermeister Kessing.

Ina Allenhöfer
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