BÖNNIGHEIM | 27. September 2008

„Familienfreundlichkeit ist nicht nur die Zukunft, sondern auch notwendig“

Relativ konstant soll die Einwohnerzahl laut Statistischem Landesamt bis 2025 bleiben, nämlich bei etwa 7500. Trotzdem kann das auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Zahl der über 65-Jährigen im Laufe der Zeit ansteigen wird, und zwar um 4,4 auf 21,2 Prozent.

„Wir müssen darauf reagieren“, ist sich Bürgermeister Kornelius Bamberger sicher. Deswegen habe sich die Stadt mehrere Ziele gesteckt, wie zum Beispiel die Verbesserung der örtlichen Ärzteversorgung. Gerade ältere Menschen bräuchten kurze Wege, um gesundheitlich ausreichend versorgt zu sein, meint der Schultes. Zusätzlich müsse die ehrenamtliche Arbeit stärker angekurbelt werden. Das ist nötig, denn das Durchschnittsalter steigt von 40,1 auf 44,9 Jahre im Jahr 2025 .
Um eine Übersicht über zukünftige Tätigkeitsmöglichkeiten zu erhalten, gab die Stadt deshalb eine Bestandsaufnahme in Auftrag. Dafür wurden einzelne Vereine und Institutionen befragt, was aktuell geboten werde und was in Zukunft noch machbar sei. Gerade beim DRK-Ortsverband sieht es derzeit bei der Seniorenarbeit eher schlecht aus: „Wir haben einfach zu wenig Personal, um tagsüber Angebote für Senioren anbieten zu können“, meint die Vorsitzende Ingrid Zehender. Bis noch vor einem Jahr organisierte der DRK zusammen mit der AWO, der Gemeinde und der Kirche einen Seniorennachmittag, wegen Personalmangel musste sich der DRK davon allerdings „ausklinken“.
Trotzdem ist die Seniorenarbeit in Bönnigheim recht gut: mit dem Kleeblattpflegeheim und dem dazugehörigen Förderverein kann den Senioren ein buntes Programm geboten werden.
Dass das Angebot völlig ausreiche, davon ist Förderverein-Vorsitzender Horst Hippmann überzeugt: „Man muss das auch nicht überbelasten.“ Neben monatlichen Kaffeenachmittagen wird zum Beispiel auch eine Rollstuhlausfahrt und Gymnastik angeboten. Auch besteht in Bönnigheim die Möglichkeit, sich im Treff 60 plus weiterzubilden. Diakon Helmut Mergenthaler hat im Jahr 2000 die Einrichtung ins Leben gerufen, um Vorträge, Ausflüge oder Kaffeenachmittage für aktive Ältere zu organisieren.
„Ich denke, dass das Angebot ausreichend ist“, meint deshalb auch der evangelische Pfarrer Eyub Aksoy. Auch sehe er positiv in die Zukunft und glaubt, für die gesellschaftlichen Veränderungen gerüstet zu sein.
Als „bedauerlich“ bezeichnet allerdings SPD-Gemeinderat Fritz Diether, dass die Einkaufsmöglichkeiten im Ort für Ältere relativ schlecht seien. Trotzdem stimmte der Gemeinderat gegen das Einkaufszentrum auf dem Amann-Areal und für den Bau der Stadthalle.
Seiner Meinung nach haben es deshalb Senioren sehr schwer, zu Fuß einkaufen zu gehen. Für Wolfgang Bramm, Gemeinderatsmitglied für die FWV und CDU, sieht darin kein Problem: „Mit unserem Busverkehr sind wir gut ausgestattet. Außerdem haben wir den Treffpunkt-Markt in der Stadt.“ Als Anreiz für Familien sieht er die optimale schulische Versorgung: Neben Grund- und Hauptschule gibt es im Ort auch noch eine Realschule sowie ein Gymnasium. Auch werden im Rathaus bereits Pläne geschmiedet, um junge Familien mit Subventionen beim Grundstückkauf nach Bönnigheim zu locken.
„Familienfreundlichkeit ist die Zukunft der Kommunen – das ist allein schon bare Notwendigkeit, um weiter existieren zu können“, ist sich der Schultes sicher.
Zufrieden zeigt sich Werner Krapf von der Unabhängigen Wählergemeinschaft Bönningheim: „Mit über 50 Vereinen sind wir sehr gut aufgestellt.“ Ab kommendem Jahr werde auch die Kinderbetreuung einen Schritt nach vorne gehen. So sollen die Kindergärten auch in der Ferienzeit geöffnet bleiben, damit berufstätige Eltern entlastet werden, so Krapf. „Wir gehen davon aus, dass in sechs bis acht Jahren die Schülerzahlen stagnieren und dann zurückgehen werden“, so Bamberger. Als dramatisch bezeichnet er diese Entwicklung aber trotzdem nicht, da dann „eben kleinere Klassen gebildet oder bestimmte Gebäude einfach anders verwendet werden“. Im Gespräch steht auch schon der Bau eines Kinderhauses im Neubaugebiet Schlossfeld. So sollen jüngere, aber auch ältere Kinder als bisher betreut werden können und auch die Öffnungszeiten sollen in allen Kindergärten deutlich erweitert werden. Auch das Thema Mehrgenerationenhäuser sei im Gespräch, meinte der Schultes.

Ina Allenhöfer
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