EBERDINGEN | 07. Oktober 2008

„Kinderrückgang als Chance“

Voraussichtlich schrumpfen wird die Gemeinde bis zum Jahr 2025, und zwar um neun Prozent auf etwa 6000 Einwohner. Laut Statistischem Landesamt wird keine andere Kommune so stark wie Eberdingen vom demografischen Wandel betroffen sein.

Familienfreundlichkeit ist deshalb das Stichwort, mit dem die Freien Wähler in Zukunft auftreten wollen. Allerdings glaubt Gemeinderat Wolfgang Bossert nicht, dass neun Prozent Einwohnerrückgang tatsächlich eintreten werden. Eberdingen habe 2007 einen Geburtenüberschuss von Plus 18 gehabt, und die Infrastruktur sei auch gut, so Bossert.
„Prognosen müssen so nicht eintreffen“, meint auch Bürgermeister Peter Schäfer. Allerdings räumt er ein, dass es sehr schwierig werden wird, den derzeitigen Einwohnerstand zu halten. Nach Meinung von SPD-Gemeinderat Lars Barteit ist das Problem, dass die Gemeinde aus etwa drei gleichgroßen Teilorten besteht: „Da kommt man dann in den Konflikt, ob man überall das Gleiche anbieten soll.“
Familienfreundlich ist man auch in der Hinsicht, dass in Eberdingen ein Kindergarten Ganztagsbetreuung anbietet, „was von der Nachfrage her gut ausreicht“, meint Bernd Hasenmaier, CDU-Gemeinderat. Auch sei geplant, in Zukunft Kinder unter zwei Jahren zu betreuen. Für die älteren Kinder sei man aber auch mit Jugendtreff und Sportvereinen gut aufgestellt, meint Hasenmaier.
Gut für die Zukunft gerüstet ist man nach Meinung von Schäfer auch bei den Schulen: „Die sind vom demografischen Wandel nicht existenziell bedroht“, so der Schultes. Eher sehe er die Entwicklung als Chance, mit kleineren Klassen eine optimale pädagogische Arbeit zu leisten.
Zufrieden ist Schäfer auch beim Thema Seniorenarbeit. So stehen Seniorenräume in allen drei Ortsteilen zur Verfügung. Außerdem finde einmal jährlich ein Seniorennachmittag in der Gemeinde statt. Erst vor wenigen Jahren wurde außerdem das Alten- und Pflegeheim Rosenhügel in Hochdorf eingeweiht, wodurch sich die „Situation spürbar verbessert hat“, so Bossert.
Mit Blick auf die Zukunft hat sich die Gemeinde Bauplätze für neue betreute Wohnungen gesichert. Benötigt werden die sicher, denn laut Vorausrechnungen des Statistischen Landesamtes wird bis 2025 die Zahl der über 65-jährigen von 16,2 auf 24,6 Prozent ansteigen. Wenn man diese Zahlen mit dem Rückgang der Einwohnerzahlen kombiniert, ist es kein Wunder, dass das Durchschnittsalter um mehr als fünf Jahre auf 46,2 Jahre ansteigen wird.
„Beim Thema betreute Wohnungen besteht derzeit in der Gemeinde noch ein Mangel“, meint deshalb Hasenmaier.Auch SPD-Mann Barteit sagt, dass die Gemeinde-Politik am demografischen Wandel ausgerichtet werden muss. Dass man es dabei als kleine Gemeinde teilweise schwer hat, beispielsweise die Infrastruktur aufrechtzuerhalten, dessen ist sich Bernd Hasenmaier durchaus bewusst: „Da muss man dann eben kämpfen“.
Kulturell kann Eberdingen selbst als kleine Gemeinde recht gut mitmischen. So gibt es neben dem örtlichen Kulturverein auch einige Veranstaltungen der Gemeindeverwaltung, etwa Seniorennachmittage.
Zusätzlich bietet auch einmal im Monat das DRK einen Seniorentreff an. Im Vordergrund steht dabei nicht das Programm, sondern das gesellige Beisammensein. „Die meisten Interessierten sind schon um die 80, da kann man nicht mehr viel Programm bieten“, meint Karl Gackenheimer, Leiter des Seniorentreffs. Als Grund für den Nachwuchsmangel sieht auch er, dass die jüngeren Senioren heutzutage deutlich länger aktiv sind, als es Gleichaltrige noch vor 20 Jahren waren.
Das Gleiche stellte auch Liselotte Schröder fest, die alle drei Wochen privat einen Seniorennachmittag veranstaltet, bei dem immer etwa zwölf Ältere anwesend sind.
Eine Veränderung für die kirchliche Arbeit wird es laut Pfarrer Ludwig Zuber in Zukunft sein, dass die Zahl der Besuchsdienste stark ansteigen wird. Problem dabei wird vermutlich sein, dass deshalb immer mehr Ehrenamtliche benötigt werden. Ähnlich geht es dem TSV Eberdingen: „Ein Ausbau bei der Seniorenarbeit steht zwar zur Debatte, aber uns fehlen dafür bisher die ehrenamtlichen Trainer“, meint Schatzmeisterin Hildegard Mack.

Ina Allenhöfer
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