PLEIDELSHEIM | 13. September 2008

„Wir sind ein Familienbetrieb“

Edith Keller ist gelernte Krankenschwester. Vor zehn Jahren wagte sie den Sprung ins kalte Wasser und eröffnete ein Pflegezentrum mit 22 Plätzen in dem ehemaligen Gewerbebetrieb ihres Mannes in Pleidelsheim. Dort bietet sie Dauer-, Kurzzeit- und Tagespflege an.

Bild: Alfred Drossel

Wer vormittags gegen 10 Uhr in das Pflegezentrum Edith Keller kommt, dem bietet sich ein überraschender Anblick: 20 Senioren sind in voller Aktion und betreiben Morgengymnastik.
Pflegehilfskraft Tanja Pace animiert die Senioren – und rennt bei ihnen offene Türen ein. 40 Arme gehen in die Luft und greifen nach imaginären Gegenständen. „Jetzt ausschütteln . . . und jetzt kreisen wir die Handgelenke nach innen“, gibt Pace weitere Anleitungen, denen die Senioren bereitwillig Folge leisten. Dabei werden immer wieder Lieder gesungen.
„Unsere Bewohner sind gerne zusammen, fast niemand verbringt seine Zeit alleine auf dem Zimmer“, sagt Edith Keller, die Leiterin des Pflegeheims. Das sei der Vorteil eines kleinen Hauses gegenüber einem großen Altenheim: „Dort sind die Menschen oft sehr einsam.“
Keller hat 25 Jahre auf einer Krankenhaus-Intensivstation gearbeitet. 1998 erfüllte sie sich einen Traum: Als der Betrieb ihres Mannes in ein Gewerbegebiet umzog, baute sie die funktionslos gewordenen Räume zu einem Pflegeheim um. Inzwischen arbeiten dort 30 Pflegekräfte.
Der Start war schwierig. Viel Geld musste investiert werden, alleine die Küche kostete 100 000 Euro. Da traf es sich gut, dass ihr Mann viele Handwerksarbeiten selbst übernehmen konnte.
„Manche Angehörige hatten ein schlechtes Gefühl, wenn sie zu uns kamen, um nach einem Platz zu fragen“, erinnert sich Keller. „Sie machten sich Gedanken, ob ihre Eltern bei uns gut aufgehoben sind. Außerdem hatten sie Angst vor dem Gerede der Nachbarn – dass sie ihre Eltern ins Altenheim abschieben und so weiter . . .“.
Inzwischen habe sich das aber geändert. „Durch Mund-zu-Mund-Propaganda hat sich die Qualität unserer Pflege herumgesprochen“, sagt sie. Das Pflegeheim sei zu 100 Prozent ausgelastet. Die Bewohner kommen aus der gesamten Region Stuttgart.
Nachdem zunächst nur Kurzzeitpflege im Programm war, erweiterte Keller das Angebot nach eineinhalb Jahren um Dauerpflegeplätze. Außerdem besteht zwischen 6.30 und 18.30 Uhr die Möglichkeit zur Tagespflege.
„Wir sind ein Familienbetrieb“, betont Keller. Ihr Mann ist mittlerweile im Ruhestand und arbeitet jetzt sozusagen als Hausmeister.
Berta Rembold aus Besigheim lebt seit drei Jahren im Haus. Jeden Sonntag bekommt sie Besuch von ihren zwei Söhnen. „Mir gefällt es sehr gut im Pflegezentrum, ich werde hervorragend versorgt. Es ist inzwischen zu meiner Heimat geworden“, sagt die 96-Jährige.
Info: Weitere Informationen unter Telefon (0 71 44) 89 49 24.

Frank Klein
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