18. September 2008

„Wir wachsen, weil wir investieren“

Im Vergleich mit anderen Orten im Kreis steht die Stadt Asperg recht gut da: Nach den Vorausrechnungen des Statistischen Landesamtes steigt die Bevölkerungszahl zunächst noch an. Auch ist Asperg eine vergleichsweise geburtenreiche Stadt. Eine Bestätigung für Bürgermeister Ulrich Storer, der darin das Ergebnis „langfristigen Handelns und familienfördernder Programme“ sieht.

Relativ durchschnittlich sieht dabei die Bevölkerungspyramide der Stadt aus: Weniger Geburten und damit einen Knick in der Statistik gibt es im Zweiten Weltkrieg, besonders in den letzten Kriegsjahren sowie nach Einführung der Antibabypille 1961. Die Babyboom-Jahrgänge in den 1950er Jahren erscheinen dagegen auf der Graphik als Beule.
Nach der Trend-Meldung des Statistischen Landesamtes wird also auch die Bevölkerung Aspergs im Laufe der Zeit immer älter: Das Durchschnittsalter verschiebt sich von 42 auf 45 Jahre. Was bedeutet, dass der Anteil der Menschen über 65 Jahre deutlich ansteigen wird, und zwar bis 2025 um 3,4 auf 22,4 Prozent.
Schultes Storer sieht die Stadt allerdings gut aufgestellt: „Wir sind auf dem Laufenden“, ist er sich sicher. In den zwei Kleeblatt-Pflegeheimen und dem Haus der Senioren können Menschen, die älter als 60 Jahre sind, betreute Wohnungen beziehen. Seiner Meinung nach wurden durch die neue Stadtmitte ebenfalls gute Einkaufsmöglichkeiten im Zentrum geschaffen. Etwas anders sehen das allerdings FDP-Stadtrat Roland Kammerer sowie Eugen Hilbert, Vorsitzender des Fördervereins der Kleeblatt-Pflegeheime. Beide meinen, dass die Einkaufsmöglichkeiten in Asperg verbessert werden könnten. „Ein zentrales Einkaufszentrum wäre einfach optimal gewesen“, meint Kammerer. Nur so hätten ältere Menschen die Möglichkeit, wirklich alles zu Fuß zu erreichen. SPD-Stadtrat Rudi Gienger hingegen meint, dass der Supermarkt, der im nächsten Winter neben dem Feuerwehrhaus in der Eglosheimer Straße eröffnet wird, dieses Manko ausgleichen kann.
Ebenfalls als Manko bezeichnet Horst Lehnart, Vorsitzender des Vereins Aktive Senioren, die fehlende Koordination zwischen Vereinen, der Stadtverwaltung, Krankenkassen und der Volkshochschule. Ein anderes Thema spricht Grünen-Stadtrat Jürgen Walter an: Es müssten neue Lebensformen, wie zum Beispiel Alten-Wohngemeinschaften, geschaffen werden können, aber auch der Nahverkehr und die Naherholung sollten verbessert werden.
Um die Stadt für junge Familien attraktiv zu machen, will sie die Betreuungsmöglichkeiten und die Förderung von Kindern ausbauen. Denn das ist die andere Seite der Medaille: Die Menschen werden älter, immer noch zu wenig junge wachsen selbst in Asperg nach.
Für Bürgermeister Storer war der Umbau der Stadtmitte ein zentraler Punkt, um die Infrastruktur zu verbessern: „Ich will junge Familien nicht mit Geld locken, sondern mit einer guten Infrastruktur.“ Asperg wachse auch deshalb noch weiter, weil die Stadt stark in Kindergärten und Schulen investiere.
In den vergangenen zwei bis drei Jahren konnten sogar zwei Kindergartengruppen wieder eröffnet werden, da es eine große Nachfrage gab. Für 2009 ist bereits ein weiterer Ausbau der Kindergartenbetreuung geplant, was an den noch steigenden Geburtenraten in Asperg liegt. „Bis 2014 liegen wir mit den Zahlen noch im Aufwärtstrend, danach wird der andernorts schon spürbare Geburtenrückgang aber auch uns treffen“, befürchtet Storer. CDU-Stadtrat Roland Riedel sieht dann die Stadt in der Pflicht, über die Zukunft der Schulen nachzudenken.

Ina Allenhöfer
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