21. Juni 2010

Auf den Spuren von Wikingern und Pfeffersäcken

Ostsee ist nicht nur flach, sondern auch etwas schräg
Eine Reise ganz besonderer Art erlebten 207 LKZ-Leser Anfang Juni. Ein nostalgischer Sonderzug brachte sie nach Kiel zur Einschiffung auf das klassische Kreuzfahrtschiff MS Athena. Weit entfernt vom Trubel riesiger Selbstbedienungsschiffe konnten sie dort gemütliche Kreuzfahrerromantik im traditionellen Stil genießen.

Ostsee ist nicht nur flach, sondern auch etwas schräg
Eine Reise ganz besonderer Art erlebten 207 LKZ-Leser Anfang Juni. Ein nostalgischer Sonderzug brachte sie nach Kiel zur Einschiffung auf das klassische Kreuzfahrtschiff MS Athena. Weit entfernt vom Trubel riesiger Selbstbedienungsschiffe konnten sie dort gemütliche Kreuzfahrerromantik im traditionellen Stil genießen.

ALLE TEXTE UND BILDER:
UDO JANSEN
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Kaum Seegang. MS Athena liegt wie ein Brett im Wasser, fährt aber dennoch auf einer schiefen Ebene. Unmerklich zwar, aber rechnerisch erwiesen, geht es von Kiel nach St. Petersburg tatsächlich bergauf. Fast dreißig Meter. Verschieden hohe Abstufungen am Meeresboden und die Einleitung zahlreicher Flüsse im Norden haben zur Folge, dass mehr Wasser in die Nordsee abfließt, als von dort eindringt. Der Meeresspiegel im Finnischen Meerbusen liegt fast vierzig Meter über dem von Kopenhagen.
Die Ostsee, das flache, nur leicht salzhaltige Binnenmeer im Norden Europas, ist ein junges Meer. Im Durchschnitt gerade einmal 50 Meter tief, erhielt es seine heutige Form erst beim Abschmelzen der Gletscher nach der letzten Eiszeit vor gerade einmal 10.000 Jahren. Bernstein, fossiles Baumharz, das an ihren Gestaden heute gefunden wird, weist dagegen ein Alter von 15 bis 50 Millionen Jahren auf.
Wie jung müssen sich da erst die LKZ-Kreuzfahrer fühlen, die sich, im Durchschnitt 13 Jahre jünger als der in Danzig geborene Günter Grass, auf große Ostseefahrt begeben.
Vor über tausend Jahren kreuzten die Wikinger über die Wogen des Baltischen Meeres, fuhren die Flüsse Osteuropas hinauf, überwanden Wasser-scheiden über Land und gelangten so ins Schwarze Meer bis Konstantinopel. Als Waräger, wie sie die Slawen nannten, gründeten sie das Königreich Rus bei Kiew, woher sich auch der Wortstamm für Russe ableitet.
Den Wikingern folgten die Kaufleute der Hanse, von Neidern und weniger vermögenden Zeitgenossen auch „Pfeffersäcke“ genannt. Schließlich bauten zunächst die Schweden, dann die Russen ihren Einfluss im größten Binnenmeer Europas aus. Die Wende öffnete letztlich nicht nur das Meer, sondern auch die Herzen der Menschen. Die Oststaaten erwachten aus ihrem Dornröschenschlaf, wenn sie mitunter immer noch etwas schlaftrunken wirken.
Bei manchen russischen Fremdenführern, die schon vor dem Mauerfall Besucher betreuten, scheint die Zeit indes stehen geblieben zu sein. Der Vergangenheit nachtrauernd, linientreu und unflexibel machen sie ihren Job. Ob sie uns noch dieses oder jenes zeigen könnten? Nitschewo! Nichts da, steht nicht auf dem Plan! Auch wenn man damit im Zeitplan liegen würde.
Nach zwei Tagen St. Petersburg geht es die schiefe Ostsee wieder hinunter. Ich freue mich schon auf die Schussfahrt nach Kiel ...

Alle Bilder zur LKZ-Leserreise „Perlen der Ostsee“ erhalten Sie auf einer CD/DVD im JPG-Format oder als Diashow, getrennt nach Impressionen und Teilnehmern, für 14,95 Euro im Kundencenter der Ludwigsburger Kreiszeitung, Ludwigsburg, und in der Geschäftsstelle des Neckar- und Enzboten, Besigheim.

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