BENNINGEN | 20. September 2008

Bis 2025: Einwohnerschwund trotz S-Bahn

Knapp die Hälfte der Benninger wird 2025 über 50 Jahre alt sein. Gleichzeitig geht die Einwohnerzahl um etwa acht Prozent zurück. „Mit Kleeblattpflegeheim und seniorenbetreuten Wohnungen sind wir aber gut aufgestellt“, meint SPD-Gemeinderätin Ilse Käß.

Trotz S-Bahnanschluss soll Benningen bis 2025 so stark schrumpfen wie fast keine andere Kommune im Kreis: Acht Prozent und somit der zweitschlechteste Wert. Das Durchschnittsalter steigt laut Statistischem Landesamt an, und zwar von 40,9 auf 45,6 Jahre.
Nach Meinung von Ilse Käß reicht das aktuelle Angebot in Benningen allerdings aus, um auf die Entwicklungen vorbereitet zu sein. Erst vor wenigen Wochen wurde das Kleeblattpflegeheim eingeweiht, und seit 2001 gibt es bereits seniorenbetreute Wohnungen am Dengelberg. „Wir sind für die Zukunft gerüstet“, ist sich Käß sicher.
Der Meinung ist auch Bürgermeister Klaus Warthon, der durch den Bau des Pflegeheims die Nachfragelücke für geschlossen hält. Als weiteres Plus sieht er den Arbeitskreis Altenpflege, bei dem Ehrenamtliche Besuchsdienste für Senioren anbieten. „Der Rahmen stimmt“, ist der Schultes sich sicher, aber trotzdem könne noch einiges verbessert werden – zum Beispiel die Vernetzung der Vereine und Organisationen. Was zusätzlich in Benningen verbessert werden muss, soll in nächster Zeit durch eine Befragung der Einwohner geklärt werden.
Ein weiterer Pfeiler in der Benninger Seniorenarbeit ist das zweimal wöchentlich im Bürgerhaus stattfindende „Seniorenstüble“, das von Wilma Bäuerle organisiert wird. Das Stüble dient als Anlaufstelle für Senioren, die Lust auf Gespräche oder Kartenspiele haben. „Für ältere Menschen bietet Benningen bereits viel, mehr als andere“ ist sich Bäuerle sicher.
Als weitere Einrichtung der Gemeinde findet einmal im Monat ein Seniorennachmittag statt, der vom Bund der Senioren im DRK organisiert wird. Überraschenderweise hat Toni Reindl vom Bund der Senioren festgestellt, dass aber trotz steigender Zahl der über 65-jährigen die Nachfrage für solche Veranstaltungen nachgelassen hat. Nur noch rund 50 Interessierte sind regelmäßig beim Seniorentreff – vor einigen Jahren waren es noch etwa doppelt so viele. Ältere Menschen sind ihrer Meinung nach heutzutage deutlich aktiver als noch vor 30 Jahren, weshalb diese immer seltener am klassischen Kaffeeklatsch interessiert seien. Auch haben immer mehr Frauen Führerscheine. Ausflüge und Angebote für die geistige Fitness sind deshalb mehr denn je gefragt.
„Längerfristig müssen wir also unser Programm ändern, um die Wünsche der Senioren weiterhin befriedigen zu können“, ist Bäuerle überzeugt. Das Programm zu ändern oder gar auszubauen, das hat der DRK-Seniorenclub derzeit allerdings nicht vor. „Dafür sind schlicht und einfach keine Räumlichkeiten mehr vorhanden“, meint Heinz Hörter, Vorsitzender des DRK-Ortsvereins. Der monatliche Seniorennachmittag sei aber auch völlig ausreichend.
Als Problem gestaltet sich allerdings die Hanglage der Gemeinde, weshalb sich Bürgermeister Warthon auch deutlich mehr Einkaufsmöglichkeiten im alten Ortskern wünscht. Vor allem dort wohnen nämlich viele Senioren.
Um verstärkt Familien und Jugendliche im Ort zu halten, ist sich Schultes Warthon durchaus bewusst, dass auch Benningen in Zukunft Horte für Kinder unter zwei Jahren einrichten muss. Nur so werde die Gemeinde auch für die Familie von morgen attraktiv. Als Problem und Standortnachteil sieht er allerdings, dass im Ort keine weiterführende Schule existiert. Zuversichtlich ist Warthon aber trotzdem: „Durch die Neubaugebiete und unsere Infrastruktur können wir wieder einen leichten Bevölkerungszuwachs verzeichnen.“ Und das heißt auch, dass die Grundschule erst mal wieder voller werden wird.

Ina Allenhöfer
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