LUDWIGSBURG | 18. Dezember 2009

Der Zapfensammler aus dem australischen Busch

Tannenzapfen gehören zur deutschen Weihnacht wie das Christkind. Pinienzapfen zieren die Wohnzimmer der Italien-Fans. Und einen Exoten legt Paul Della-Vanzo jetzt den Ludwigsburgern ans Herz: Die Eucalyptus Lehmannii.

Paul Della-Vanzo mit einer Holzschale – die Struktur des Holzes erinnert an Korallen.

Paul Della-Vanzo mit einer Holzschale – die Struktur des Holzes erinnert an Korallen.

Bild: Alfred Drossel

Sie sind um die halbe Welt gereist, die Zapfen von Paul Della-Vanzo. Auch die Eucalyptus Lehmannii, die duften, wenn man sie auf die Heizung legt. Und: sie sind fast alle selbst gesammelt.

Einmal im Jahr fliegt der 47-Jährige vom badischen Emmendingen in seine australische Heimat und geht auf Tour. Seine Schwester hat eine Farm, viele Freunde und Bekannte ebenfalls. Dort – im Südwesten von Down-Under – gibt es riesige Wälder, wie Paul Della-Vanzo in seinem charmanten Dialekt, der im Nu seine Herkunft verrät, erklärt.
In diesen Wäldern wachsen riesige Bäume. Streift er durch die Gegend, sieht er vor seinem inneren Auge schon die Gegenstände, die er später einmal daraus drechseln wird: Vasen, Schalen, Schmuckstücke.
Die Deko-Zapfen hat er noch nicht so lange im Programm. Doch irgendwann kam mal ein Kumpel, der in Australien Samen sammelt, auf ihn zu und empfahl ihm: „Das gefällt den Europäern“, hat er gesagt und schwupps landete der erste Sack im Container, wurde nach Deutschland geschippert. Und in der Tat: Die skurillen Deko-Objekte laufen auf den Weihnachtsmärkten gut.
Vier Stände hat Paul Della-Vanzo mittlerweile: In Freiburg, Goslar, Deidesheim und seit diesem Jahr auch in Ludwigsburg. Vier- bis fünfmal hatte er sich schon beworben, nie kam er zum Zug. Für 2009 sagte ein anderer Holz-Kunsthandwerker ab – die Chance für Paul Della-Vanzo.
Vier Monate hat er „gedrechselt wie wild“, um alle Gegenstände rechtzeitig zur Markt-Saison fertig zu bekommen. Seit Anfang Dezember pendelt er zwischen den vier Stationen hin und her, sorgt für Nachschub, stellt sich selbst hinter den Tresen – an den Wochenenden ist er gerne in Ludwigsburg.
Viele plaudern mit dem Mann, fragen ihn nach der Herkunft der Hölzer. Und so mancher Bastler fachsimpelt sogar mit dem Künstler: denn bei ihm gibt es auch Rohholz zu kaufen.
Seit über zehn Jahren lebt Paul Della-Vanzo mittlerweile in Deutschland. Er liebt den Winter, fürchtet auch die Kälte nicht. „Man muss sich einfach nur richtig anziehen“, sagt er mit einem knitzen Grinsen im Gesicht und zieht die Mütze noch etwas tiefer über die Ohren.
Weihnachten wird er gemütlich mit seiner Freundin feiern. „Am 23. Dezember wird bis nachts gearbeitet – gegen 1 Uhr dürfte der letzte Stand abgebaut sein“, prophezeit er. Daheim kommen die Kisten dann erst mal ins Lager und der Australier gönnt sich eine Auszeit: „Drei Tage lang nur schlafen, essen, spazieren gehen, wieder schlafen, essen und so weiter...“
Ende Januar packt er dann wieder seine Koffer. Australien wartet. Und dort ein Riesenwald. In dem er wieder umherstreifen und Zapfen sammeln wird. Damit er im Sommer in seiner Werkstatt werkeln und im Winter die Exoten auf die Weihnachtsmärkte bringen kann.

Katja Sommer
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