LUDWIGSBURG | 26. September 2008

Die Ermittlungen gehen weiter

63 Jahre nach Kriegsende: In der Schorndorfer Straße 58, dem ehemaligen Frauengefängnis, ist das Thema Nationalsozialismus noch lange nicht zu den Akten gelegt. Hier wird immer noch an der Aufklärung von NS-Verbrechen gearbeitet. Wie seit 50 Jahren.

Bild: Alfred Drossel

Noch immer sind die Staatsanwälte und Richter der Zentralen Stelle auf der Spur von Mördern, die während des Krieges Verbrechen an der Zivilbevölkerung verübt haben. Sie sind auf der Suche nach den Schuldigen, die während des Zweiten Weltkrieges Kinder, Frauen, Männer, Zivilisten und Soldaten umgebracht haben. Und noch immer werden die Staatsanwälte und Richter fündig. Selbst 63 Jahre nach Kriegsende.
„Es ist absehbar, dass unsere Arbeit dem Ende zugeht, aber es gibt keine Absprache über die Einstellung unserer Tätigkeit“, sagt der Leiter der Zentralen Stelle, Oberstaatsanwalt Kurt Schrimm. „Solange, wie die Möglichkeit zur strafrechtlichen Aufklärung besteht, machen wir weiter.“
Gegründet wurde die Zentrale Stelle am 1. Dezember 1958. Sie ist eine gemeinschaftliche Einrichtung aller Landesjustizverwaltungen der Bundesrepublik und damit einzigartig. Ausgangspunkt war der sogenannte Ulmer Einsatzgruppenprozess. Im Zuge dessen wurde die Forderung nach einer systematischen Erforschung von NS-Verbrechen laut.
Und so sah zunächst auch die Arbeit der Zentralen Stelle aus. „Damals hatte man die bereits bekannten Tatkomplexe aufgeklärt und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen“, sagt Schrimm.
Heute ist die Arbeit der Ludwigsburger Ermittler ungleich schwerer. Sie sind auf der Suche nach den bislang unbekannten Tatkomplexen. Sie wollen das in Erfahrung bringen, worüber man immer noch nichts weiß. Informationen finden die Ermittler in Archiven rund um den Globus. So zum Beispiel in der Ukraine, in Südamerika, in Italien oder Nordamerika.
Immer wieder stoßen sie auf ein kleines Puzzle-Teilchen, das zusammen mit anderen ein großes Bild ergibt. Dieses Bild über eine ganz konkrete Tat mit einem ganz konkreten und noch lebenden Täter wird dann an eine Staatsanwaltschaft abgegeben. „Die entscheidet dann, ob Anklage erhoben wird oder nicht“, erklärt Schrimm. So lange den Ludwigsburger Ermittlern dieses immer wieder gelingt, solange wird ihre Arbeit weitergehen. Denn Mord, so sieht es das Gesetz vor, verjährt nie.

Julia Essich-Föll
Weitere Artikel aus diesem Ressort
Anzeige
Anzeige
Digitale Beilage
UMFRAGE
Smartphones

Sollen Smartphones in Schulen verboten werden?

Zeitschriftenvorteil