18. April 2008

Ein Ägypter mit Liebe zu deutschen Tugenden

Er liebt Deutschland. Und er liebt es, zu arbeiten. Deshalb ist Dr. Ibrahim El-Asfar vor 27 Jahren nach Deutschland gekommen. Heute hat er eine eigene Praxis in Ludwigsburg und fühlt sich hier zu Hause – sein Heimatland Ägypten ist ihm dagegen fremd geworden.

Bild: Alfred Drossel

Ibrahim El-Asfar ist ein fröhlicher Mensch. „Ich bin aus Ägypten, ich lache viel“, sagt er und kichert, als ob er das bestätigen wollte. In Ägypten seien die Leute wie er, kommunikativ und redselig, erzählt der 54-Jährige. In Deutschland sei das anders:
„Die Menschen hier haben keine Zeit oder keine Lust, sich so viel zu unterhalten“, glaubt er. Ihn stört das jedoch nicht. Denn El-Asfar liebt andere Dinge an Deutschland: die gute Organisation, die sozialen Sicherheiten, Pünktlichkeit und vor allem – seine Arbeit. Dass er Arzt werden wollte, war dem Sohn eines gut verdienenden ägyptischen Lehrers schon früh klar. Dass er eine eigene orthopädische Praxis in Ludwigsburg aufmachen würde, allerdings nicht.
„Eigentlich hatte ich vor, nach dem Studium in Ägypten meine Facharztausbildung in England zu machen“, erzählt er. Aber da wollten viele Ägypter hin. In Deutschland sah El-Asfar deshalb bessere Chancen für sich.
Während seines Studiums war er zwei Mal in Deutschland gewesen, auf Reisen und zum Jobben. „Das hat mir damals schon sehr gut gefallen“, erinnert sich der 54-Jährige und blinzelt vergnügt durch seine dicke Brille. Bis heute sei das so geblieben.
Vor allem die hohe Leistungsorientierung hier ist seine Sache: „Ich bin jemand, der gerne arbeitet“, erklärt er. In Ägypten sei das schwierig. Es gebe wenig Jobs, im medizinischen Bereich sei die Ausstattung mit Geräten unbefriedigend. Die Ägypter gingen mangels Krankenversicherung kaum zum Arzt. Zudem gefällt ihm die deutsche Arbeitsmoral besonders gut.
„Hier wird viel geschafft“, freut sich El-Asfar. Am Anfang, als er in amerikanischen Militärkrankenhäusern in Heidelberg und später in der Region Stuttgart arbeitete, sei das zwar „sehr hart“ gewesen. Aber ihm gefiel es, „ich wollte ja etwas lernen!“
Doch nicht nur seine hohe Leistungsbereitschaft, auch eine große Portion Glück haben ihm bei seiner Karriere geholfen, so der Ägypter. „Bei vielen Stellen war es reiner Zufall, dass ich sie bekam“, meint er bescheiden.
Schwierigkeiten wegen seiner Herkunft hatte El-Asfar eigentlich nie. „Klar, die Sprache war am Anfang ein großes Problem“, räumt der Ägypter ein, der immer noch mit arabischem Akzent spricht. Aber da müsse man durch, findet er. In diesem Punkt ist er rigoros: „Alle Ausländer, die in Deutschland leben, müssen Deutsch können“, betont er, jetzt ganz ernst.
El-Asfar ist mit einer Deutschen verheiratet, seine zwei Kinder sprechen ausschließlich deutsch. „Sie sind hier zu Hause, sie sind Deutsche“, sagt er.
Außerdem komme es auf die Einstellung an bei der Frage, ob man sich hier wohl fühlt. „Die Leute hier wirken kälter als in Ägypten, und die Orientalen, insbesondere die Türken, sind sehr empfindlich. Sie fühlen sich schnell falsch behandelt und nicht erwünscht“, erklärt El-Asfar die Mentalitätsunterschiede.
Sein Motto: „Jeder ist anders und das ist gut.“ Er habe viele deutsche Freunde und fühle sich sehr wohl in Deutschland. So sehr, dass er sich eine Rückkehr nach Ägypten gar nicht mehr vorstellen kann: „Das Land ist mir fremd geworden“, sagt er und erzählt lachend vom „absurden Chaos“ im Straßenverkehr, das er nicht vermisse.

Melanie Braun
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