LUDWIGSBURG | 10. Dezember 2010

Ein kleiner Zoo reist 1100 Kilometer

In dem Zoo von Ursula Tamrs-Pap herrscht Eintracht zwischen den Tieren. Ein Nilpferd mit seinem Jungen steht neben einem Esel, der wiederum einen Löwen zum Nachbarn hat. Eine Giraffe scheint über zwei Papageien hinweg direkt auf einen Dinosaurier zu schauen. Doch selbst der Tyrannosaurus Rex ist kunterbunt und vor allem handzahm am Stand von Ursula und Michael Pap.

Ob Elefanten als Holz-Puzzle oder ein T-Rex, das Angebot an diesem Stand von Ursula Tamrs-Pap ist farbenfroh.

Ob Elefanten als Holz-Puzzle oder ein T-Rex, das Angebot an diesem Stand von Ursula Tamrs-Pap ist farbenfroh.

Bild: Holm Wolschendorf

Zum zehnten Mal sind sie auf dem Weihnachtsmarkt vertreten. Sie bieten Spielzeug aus Holz an, das Michael Pap, von Beruf Automechaniker, zum Teil selbst anfertigt oder in einer kleinen Firma herstellen lässt. Der Zoo hat eine Reise von 1100 Kilometern hinter sich, wenn er in Ludwigsburg eintrifft. Die Paps wohnen in Vac, das ist rund 40 Kilometer von der ungarischen Hauptstadt Budapest entfernt. „Eine Barockstadt mit einem Marktplatz, der fast so schön ist wie hier“, erzählt Ursula Tamrs-Pap.
Mit dem Ludwigsburger Spätlingsmarkt fing im Jahr 1999 alles an. Die Paps hatten dort einen Stand, und ihnen fiel ein Prospekt vom Weihnachtsmarkt in die Hände. Was sie sahen, gefiel ihnen. Für das folgende Jahr bewarben sie sich um einen Stand und erhielten den Zuschlag. Seitdem bieten sie dort Holzspielzeug an.
Das sind viele einfache Gegenstände, die nach ebenso simplen Prinzipien funktionieren. Ursula Tamrs-Pap greift zu einem ihrer Lieblingsspielzeuge. Sie drückt die beiden Stäbe eines Holzspielzeugs zusammen, und schon macht der Turner, der an der Querstrebe hängt, einen Überschlag. Für kleine Kinder, die gerade erst zugreifen können, ist ein Erfolgserlebnis garantiert.
„Das Spielzeug soll Kinder dazu anregen, ihre Kreativität zu entwickeln“, sagt die Ungarin. Mit einfachen Dingen, so ihre Überzeugung, geht das am besten. Viele Tiere bestehen aus mehreren Teilen, die wie ein Puzzle zusammengefügt werden können. Das ist nicht immer einfach und erfordert eine gewisse Cleverness. Nicht nur von Kindern. Das Zusammensetzen der Giraffe, so die 36-Jährige, sei selbst für Erwachsene nicht immer einfach.
Die Mutter von drei Kindern (14, 10 und zweieinhalb Jahre alt) hat auch Ritterrüstungen im Angebot und kein Problem damit, dass Schwerter aus Holz an dem Stand baumeln. „Das ist nicht gefährlich“, beruhigt sie, „man muss den Kindern nur beibringen, richtig damit umzugehen.“ Für sie ist es wichtig, den Nachwuchs so früh wie möglich an das reale Leben heranzuführen.
Wenn sie von ihrer kleinen Tochter erzählt, die mit dem Ehemann und den anderen Geschwistern zu Hause in Ungarn ist, wird Ursula Tamrs-Pap allerdings etwas traurig. Die studierte Ökonomin hat ihren Beruf aufgegeben, um mehr Zeit für ihre Familie zu haben. Eine Ausnahme bildet allerdings die Zeit vor Weihnachten, in der Ludwigsburg fest eingeplant ist.
In den vergangenen zehn Jahren hat dort nur das Holzspielzeug made in Ungarn viele Anhänger gefunden. Auch die Paps haben Freundschaften geschlossen. Wenn die Ungarin abends ihren Zoo mit kunterbunten Holztieren verlässt, ist sie nicht allein. Sie wohnt bei einer Familie in Pflugfelden.

Marion Blum
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