Ludwigsburg | 21. Februar 2017

Ein neuer Name für das PKC?

Der Vorschlag, das PKC nach seinem Mitbegründer und langjährigen Leiter zu benennen, kommt von Moshe Bar Tikva – einem Freund und Wegbegleiter von Ludwig Bez. „Er hat das PKC zu dem gemacht, was es heute ist, er hat so viel Arbeit in das Haus gesteckt und es aus Ruinen gegründet. Es wäre kein großer Preis, das PKC nach ihm zu benennen“, begründet Bar Tikva seinen Vorschlag im Gespräch mit unserer Zeitung. In einem Brief hat er sein Anliegen auch schon Landrat Rainer Haas vorgebracht, der zweiter Vorsitzender des PKC-Vereins ist. „Ludwig Bez war ein großer Menschenfreund. Für die deutsch-jüdische und deutsch-israelische Verständigung hat er wirkliche Brücken geschlagen“, schreibt Bar Tikva in dem Brief. Er habe Ludwig Bez vor rund zehn Jahren im Rahmen seiner Arbeit kennengelernt, berichtet Bar Tikva, der aus Haifa stammt, aber nun in Berlin lebt. Der 69-Jährige leitet den Verein „Miteinander Leben“ in Israel, der den Austausch und die Begegnung von Juden und Arabern in Israel fördert. Über den Verein sei er in Kontakt mit Ludwig Bez gekommen, denn Gruppen von „Miteinander Leben“ waren auch zu Besuch im PKC. „Ebenso waren wir Partner und Gastgeber für Gruppen, die das PKC nach Israel brachte“, berichtet Bar Tikva.

Das PKC in Freudental ist maßgeblich geprägt worden durch Ludwig Bez.
Das PKC in Freudental ist maßgeblich geprägt worden durch Ludwig Bez.
Foto: Alfred Drossel

Daraus sei eine Freundschaft mit Ludwig Bez entstanden, die weit über das Berufliche hinausging. Er habe Bez als einen warmherzigen und großzügigen Menschen kennengelernt, mit sehr viel Gefühl für andere Menschen und Kulturen. „Ich habe ihn geliebt.“

Mit seinem Vorschlag stehe er nicht alleine da, betont Bar Tikva. Viele Menschen aus dem Oberen Galiläa, der israelischen Partnerregion des Landkreises, würden ihn unterstützen. Auch von Ludwigsburgs Landrat Rainer Haas habe er bereits positive Signale erhalten.

So deutlich will sich Haas im Gespräch mit unserer Zeitung aber nicht positionieren. Er schätze Ludwig Bez und seine herausragende Lebensleistung für das PKC außerordentlich, betont er im Gespräch mit unserer Zeitung. Bez habe viele Jahre ausgezeichnete Arbeit geleistet und auch die Partnerschaft des Landkreises mit dem Oberen Galiläa mit auf den Weg gebracht. „Ludwig Bez hätte eine Würdigung verdient.“ In welcher Form und zu welchem Zeitpunkt dies geschehe, könne er jedoch nicht alleine entscheiden, macht der Landrat deutlich. Gemeinsam wolle man sich darüber aber Gedanken machen. Das betont auch Herbert Pötzsch, Vorsitzender des PKC-Vereins und laut eigener Aussage guter Freund von Ludwig Bez. Den Vorschlag von Moshe Bar Tikva sieht er allerdings kritisch: „Ich glaube nicht, dass Ludwig Bez das gewollt hätte. Er war ein bescheidener Mensch, dem Personenkult nicht wichtig war. Ihm ging es immer um die Sache.“

Das PKC sei für Ludwig Bez stets Gedenkstätte und Lernort gewesen, keine Institution, die personalisiert sei. „Für ihn war wichtig, dass dieser Ort etwas Besonderes ist. Dem fühlen wir uns bis heute verpflichtet“, betont Herbert Pötzsch.

 

Ludwig Bez hat das PKC zu einer weltweit anerkannten Institution gemacht

Seine Liebe galt Israel und seinen Menschen. Weil deren Geschichte aber untrennbar mit dem Holocaust verbunden ist, wurde die Aussöhnung zwischen Opfern und Tätern und deren Nachfahren zu dem großen Lebensthema von Ludwig Bez. Er wollte verstehen, mahnen und verhindern, dass sich Ausgrenzung und Völkermord wiederholen. In Freudental und dem Pädagogisch-Kulturellen Centrum (PKC) fand er den Ort, um seinen Traum zu leben.

Als Bez, der im Schwarzwald und in Kirchheim/Teck aufgewachsen ist, 1981 nach Freudental kam, war die alte Synagoge gerade vor dem drohenden Abriss gerettet. Doch was der Verein, der sich für die Erhaltung eingesetzt hatte, mit dem Baudenkmal anfangen würde, das war noch offen. Bez gab den entscheidenden Impuls: Dort, wo bis zum Novemberpogrom 1938 die Freudentaler Juden die Tora studiert und gebetet hatten, sollte ein Zentrum der lebendigen Erinnerung und der Demokratieerziehung entstehen.

28 Jahre, bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2013, leitete Ludwig Bez das PKC und machte es zu einem Ort des Lernens, der Begegnung und zu einer weltweit anerkannten Institution. Bis heute ist das PKC untrennbar mit seinem Namen verbunden. Im November 2016 ist Ludwig Bez völlig überraschend im Alter von 67 Jahren verstorben.

Christina Kehl
Weitere Artikel aus diesem Ressort
Anzeige
Anzeige
Digitale Beilage
Zeitschriftenvorteil