LUDWIGSBURG | 04. November 2008

Eine Filmstadt auf 2300 Quadratmetern

Corach – so heißt der Ort, in dem die neue ARD-Vorabendserie „Biggi ist der Boss“ spielt. Corach gibt‘s auf keiner Landkarte. Doch es liegt im Ludwigsburger Westen. In einer Produktionshalle entsteht derzeit die fiktive Kleinstadt – samt Stammkneipe, Kiosk und Biggis Eigenheim.

Noch reden alle von Biggi: Der Produzent Dirk Eisfeld, der Herstellungsleiter Harald Wigankow und Hansgert Eschweiler von der Bavaria Film GmbH. Doch ob die Hauptdarstellerin wirklich diesen Namen tragen wird und ob Corach weiterhin Corach heißen wird, wenn die Sendung wie geplant am 20. April 2009 um 18.50 Uhr bei der ARD auf Sendung geht – das ist noch offen. „Wenn wir etwas besser machen können, dann machen wir es“, sagt Eisfeld. So ließ er kürzlich ein ganzes Paket an Drehbüchern einstampfen – eben, weil man noch optimieren konnte. Und so wird auch immer wieder betont, dass es sich auch bei Biggi und etwa Corach noch um „reine Arbeitstitel“ handelt.
Eisfeld ist Perfektionist. Er war es, der die Idee hatte, nicht die zigste Aschenputtel-wird-zur-Prinzessin-Geschichte ins Fernsehen zu bringen, sondern das Schicksal einer jungen Frau, die von heute auf morgen um ihren Arbeitsplatz kämpfen muss (siehe Stichwort). Mit diesem Konzept hat er sich bei der ARD gegenüber fast 80 Konkurrenten durchgesetzt. Dass Eisfeld den Anspruch auf höchste Qualität hat, ist verständlich: Denn gefällt der ARD die Serie nicht, kann sie diese nach 120 Folgen kurzerhand einstampfen – und er muss den Kopf dafür hinhalten.
„Davon geht hier und heute aber niemand aus“, sagt er. Im Gegenteil: „Wir würden am liebsten eine Endlos-Serie etablieren.“ Und so lässt die Bavaria Film GmbH momentan in der Weststadt einen riesigen Drehort aufbauen. Auf 2300 Quadratmetern entstehen 30 Kulissen – etwa Biggis Arbeitsplatz, ihr Zuhause oder ihre Stammkneipe, der „Lindenwirt“. Nebenan wird das einstige Hallen-Foyer zu Räumen für die künftigen Schauspieler: 22 zählen zur festen Crew. Wer einmal die Hauptrolle übernehmen wird, auch das steht noch nicht fest. „Wir sind in der Endphase des Castings“, so Eisfeld.
Die wichtigsten Positionen im Team – Kamera, Regie, Produktion – sind derzeit mit Spezialisten aus Berlin und Köln besetzt. Nach und nach will das Serien-Team allerdings Kräfte aus der Region rekrutieren. „Wir tun das nicht, weil wir Gutmenschen sind, sondern weil das unserer Produktion zugute kommt“, gibt Eisfeld zu: „Eine tägliche Produktion braucht Lebensgefühl!“ Und dieses könne nur entstehen, wenn sich die Mitarbeiter am Set und in der Region zu Hause fühlten.
Denn nicht alle Szenen entstehen im Studio. 20 bis 25 Prozent der Serie sollen im Freien produziert werden – etwa auf dem Ludwigsburger Marktplatz, in Bietigheim oder Marbach. Und das Mix des Ganzen haucht dann einer fiktiven Kleinstadt Leben ein. Vielleicht wird sie Corach heißen. Vielleicht aber auch anders.

Katja Sommer
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