LUDWIGSBURG | 18. Dezember 2010

Eine ganze Familie steht auf italienische Kastanien

Die Vroni, der Seelenwärmer, der Ohrenröter, der Backenglüher und Tonini – das ist die Welt von Toni Maroni. Der Neunjährige ist elf Monate im Jahr ein ganz normaler Junge, der in der E-Jugend von Kleinsachsenheim Fußball spielt, Schlagzeugunterricht nimmt und sich mit Gleichaltrigen trifft. Im Dezember bekommen seine Kumpel ihn jedoch kaum zu Gesicht. Dann wird aus Toni Eigel nämlich Toni Maroni mit eigenem Stand auf dem Ludwigsburger Weihnachtsmarkt.

Toni Maroni mit seinem Papa Matthias Eigel.

Toni Maroni mit seinem Papa Matthias Eigel.

Bild: Holm Wolschendorf

Der italienisch klingende Künstlername ist Programm. Denn an dem Stand werden Maronen aus der Nähe von Bologna (Norditalien) geröstet und Heißgetränke mit originellen Namen angeboten.

Andrea und Matthias Eigel – das sind die Eltern von Toni – haben ein Faible für die Toskana und in dieser malerischen Region Italiens schon viele Urlaube verbracht. Der Verzehr von Maronen, so ihre Erfahrung, gehört für die Italiener zum Winter wie für die Deutschen der Lebkuchen zur Adventszeit.
„Als vor zwei Jahren klarwurde, dass der Weihnachtsmarkt erweitert werden sollte, habe ich mich um einen Stand auf der Asperger Straße beworben“, erzählt Tonis Vater, Matthias Eigel. Nach einem passenden, einprägsamen Namen musste er nicht lange suchen. Denn da sein Sohn Toni für sein Leben gern Maronen isst, lag der Name auf der Hand oder besser gesagt auf der Zunge.
Natürlich muss Toni, der mit seinen Eltern in Kleinsachsenheim lebt, jeden Tag in die Schule. Aber am Wochenende hat er Zeit. Und da lässt er es sich nicht nehmen, an dem Stand auf dem Weihnachtsmarkt „nach dem Rechten zu sehen“, wie er mit verschmitztem Lächeln sagt.
Wie die erwachsenen Helfer – auch die Großeltern Erika und Erich packen mit an – bindet er sich dann eine rot-weiß-karierte Schürze um und setzt eine graue Filzmütze auf. Als Toni Maroni hat man schließlich auf sein Image zu achten. Das von Daniela Ennemoser aus Südtirol geschneiderte Outfit gehört ebenso dazu wie der rustikale Holzstand.
Wenn der Neunjährige beim Rösten hilft, wandert ab und an eine Esskastanie in seinen Mund. „Qualitätskontrolle“ nennt er das. Mit dem Ergebnis ist der Maronen-Fan durchweg zufrieden.
Auf Buchenholzkohle werden die braunen Früchte geröstet, die von ihrer Konsistenz an eine Kartoffel erinnern. Das sorgt für Aroma, und der Geruch lockt Kunden an.
Von Seelenwärmer, Ohrenröter und Backenglüher muss Toni allerdings die Finger lassen. Hinter diesen Namen verbergen sich nämlich Heißgetränke mit Alkohol. Bleibt noch der Tonini ohne Prozente für Toni und seine Schulfreunde, die ab und an bei ihm am Stand vorbeischauen.

Marion Blum
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